Für die Frankfurter steht am Sonntagabend ein wichtiges Spiel im Kampf um die europäischen Plätze an. Der SC Freiburg wird zu Gast sein, wenn es Platz 7 gegen Platz 8 heißt. Auch wenn es ein richtungsweisendes Spiel wird, wollte sich Nathaniel Brown im Vorfeld im vereinseigenen Podcast „Aufstehen mit der Eintracht“ nicht nervös machen lassen: „Es ist noch kein Endspiel, weil die Saison noch so, so lange geht. Da ist noch so viel möglich. Natürlich ist es ein wichtiges Spiel, weil es ein direkter Konkurrent ist, aber zu schauen, wie weit die anderen weg sind, macht jetzt noch keinen Sinn.“
Die Leverkusener auf dem sechsten Platz sind schon auf acht Punkte enteilt, auch wenn theoretisch die Plätze 7 und 8 ebenfalls für das internationale Geschäft qualifizieren könnten. Für das Team gehe es jetzt darum, auf sich selbst zu schauen, die Punkte zu holen und dann müsse man sehen, was noch möglich ist, so Brown weiter.
Immerhin steht ein Heimspiel an. Doch erst fünfmal klappte es in dieser Bundesliga-Saison zu Hause mit einem Dreier. Umso mehr zeigte sich der 22-Jährige selbstbewusst, am Sonntag einen sechsten Heimsieg folgen zu lassen: „Heimspiele wollen wir natürlich immer gewinnen, auswärts auch, aber zu Hause wollen wir den Fans noch mehr zurückgeben, weil es einfach unser Stadion ist. Da darf keiner gewinnen. Klar hat Freiburg Qualitäten, aber wenn wir zu Hause einen guten Tag haben, ist es schwer, uns zu schlagen.“
Über Riera: „Will mir noch mehr Selbstvertrauen geben“
Unter Albert Riera sind nach drei Spielen bereits einige taktische Anpassungen zu erkennen. Eine der auffälligsten Veränderungen ist sicher die Rolle von Brown. Der gelernte Linksverteidiger ist mittlerweile fast überall auf dem Feld zu finden, rückt im eigenen Ballbesitz häufig ins Zentrum, um mit seiner Ballsicherheit, seinem Offensivdrang und seinen spielgestalterischen Elementen den Aufbau zu verstärken. Verliert die Eintracht den Ball, rückt er wieder in die Defensive zurück. Dabei hilft ihm auch seine Geschwindigkeit. In dieser Spielzeit kommt der deutsche Nationalspieler auf einen Topwert von 35,8 km/h. Zudem glänzte er zuletzt mit zwei Toren. Ausschlaggebend für seinen Aufwind sei: „Der Trainer vertraut mir, ich vertraue ihm. Er glaubt an mich und gibt mir sehr viel mit. Das ist dann natürlich ein sehr schönes Gefühl. Er will mir damit noch mehr Selbstvertrauen geben.“
Der 43-jährige Riera ist seit fast einem Monat Cheftrainer bei den Hessen. Der Coach und die Spieler mussten sich aneinander gewöhnen. Mit einem neuen Chef an der Seitenlinie verändert sich vieles. Die Arbeitsabläufe, das Training, die Ansprache und das Spielsystem sind nur einige Beispiele. Dem Spanier waren sofort Temperament und Selbstbewusstsein anzumerken. Er wirkt überzeugt von seiner Idee, wie Fußball gespielt werden soll und wie die SGE erfolgreich sein kann. Um den Spielern diese Ideen zu vermitteln, arbeitet das Team hart, wie Brown berichtete: „Wir haben lange Trainingseinheiten und ein bisschen längere Videoanalysen. Er will uns sein Spiel zeigen, was sehr gut ist. Es sind sehr viele Informationen, aber wir sind Fußballer und müssen alles aufnehmen.“ Dazu gehört auch, Spieler auf ungewohnten Positionen zu testen: Nicht nur Brown, sondern auch Ritsu Doan. Der Japaner gab nach dem Bayern-Spiel zu, ihm rauche der Kopf.
Browns Spiel gab die neue Rolle jedenfalls Aufwind. Wie viel Riera vom umworbenen Linksfuß hält, spiegelt sich auch darin wider, dass er ihn zum sechsten Kapitän ernannte. Diese Rolle durfte Brown erstmals in München ausfüllen, weil keiner der weiteren fünf Spielführer in der Startelf stand. Eine Situation, die „überraschend“ und „vielleicht nicht so oft kommt“, wie Brown zugab – auch weil sich der gebürtige Bayer selbst als ruhigeren Typen sieht, der folglich noch nie als Kapitän auflief. Dennoch habe ihn der Moment mit Stolz erfüllt. Am Sonntag dürfte jedoch der wieder genesene etatmäßige Kapitän Robin Koch das Team aufs Feld führen. Der erfahrene Verteidiger fehlte gegen den Rekordmeister noch mit einer Erkältung.
Brown versteht Fan-Unmut
Ohnehin: Schreibt man die Geschichte der aktuellen Eintracht-Saison, müssen die vielen Verletzungen erwähnt werden. Stammspieler fehlten immer wieder und kamen nur schwer in Tritt. Letztlich schieden die Adler relativ deutlich aus der Champions League aus – der Wettbewerb wirkte an vielen Stellen noch eine Nummer zu groß für den Klub. Einen positiven Aspekt erkannte Brown dennoch im Aus in der Königsklasse: „Man merkt es in den Köpfen, weil es schon schwer war mit den vielen Reisen. Dann hast du nur ein- oder zweimal Training und konntest fast nie richtig trainieren, weil du einen Tag vorher ein Spiel hattest.“ Für viele Spieler des jungen Teams war es die erste Saison in der Champions League überhaupt. Die physische und mentale Belastung dürfte ungewohnt hoch gewesen sein. Das sagte Sportvorstand Markus Krösche nach dem Königsklassenspiel gegen Tottenham, betonte aber auch die Entwicklungspotenziale durch solche Erfahrungen.
Dass die Erwartungen im Umfeld nach der überaus erfolgreichen letzten Saison hoch waren und sich dadurch viele Fans enttäuscht über den Verlauf der laufenden Spielzeit zeigen, ist für Brown verständlich: „Natürlich habe ich mir das Jahr anders vorgestellt. Ich kann verstehen, dass die Fans meckern oder nicht so gut drauf sind. Aber wir müssen jetzt das Beste daraus machen. Es bringt nichts zu meckern, wir müssen jetzt einfach daran arbeiten, dass es besser wird.“ Im Umfeld scheint der Trainerwechsel nach dem Aus von Dino Toppmöller bereits gewirkt zu haben. Nach den ersten drei Spielen unter Riera und vor dem wichtigen Spiel am Sonntag wirkt die Stimmung rund um den Verein positiver.






Keine Kommentare
Du musst eingeloggt sein, um einen Kommentar zu schreiben.