Es ist schon überaus ärgerlich, verzwickt und eigentlich auch kaum zu glauben. Da verstärkt sich die Eintracht aus Frankfurt im Winter mit zwei neuen Stürmern, hat also vier etatmäßige Mittelstürmer im Kader. Dennoch mussten die Hessen jetzt in zwei Spielen aufeinander ohne richtige Sturmspitze auflaufen. Die Verletzungsmisere im Frankfurter Stadtwald ist dramatisch. Umso schöner, dass ein Leistungsträger jetzt zurückgekehrt ist und direkt Lust auf mehr macht!
Die Rede ist von Jonathan Burkardt. Der 25-Jährige ist mit neun Toren absoluter Toptorjäger der SGE in dieser Saison. Und besonders bemerkenswert ist, dass er diese neun Treffer in lediglich elf Saisonspielen erzielt hat. Vom 12. bis zum 22. Spieltag fehlte der Stürmer der Eintracht mit einer schwerwiegenden Wadenverletzung. In dieser Zeit brach Frankfurt sportlich vollkommen ein. Ohne ihn konnte sein Team in elf aufeinanderfolgenden Bundesligaspielen nur zweimal gewinnen. Eine Durststrecke, die letztendlich hauptverantwortlich dafür war, dass Cheftrainer Dino Toppmöller zu Gunsten von Albert Riera beurlaubt wurde. Das lag freilich nicht alleine daran, dass Burkardt verletzt war. Aber nach seiner Einwechslung am gestrigen Samstag gegen den FC Bayern München sah man direkt, was der Eintracht in den vergangenen Wochen und Monaten fehlte: Intensität ganz vorne.
Burkardt gibt der Eintracht ihre Effektivität zurück
Burkardt stand nur 30 Minuten auf dem Platz, aber da war direkt Feuer drin. Aggressives Anlaufen im Pressing, energische Läufe, um verlorene Bälle zurückzuerobern und auch das Reinstellen seines kräftigen Körpers, um Bälle festzumachen und unter Bedrängnis zu behaupten. All das fehlte dem Frankfurter Spiel in der Vergangenheit fast komplett. Neuzugang Arnaud Kalimuendo beispielsweise macht einen sehr ordentlichen Eindruck, seit er zu den Adlerträgern gewechselt ist. Aber ihm fehlen hier und da noch Abstimmungen mit den Kollegen und eine gewisse Unsicherheit war stellenweise noch anzumerken. Das ist vollkommen normal und verständlich so kurz nach einem Vereinswechsel. Dennoch zeigt es, wie wichtig Burkardt für die Eintracht ist. Vorne war wieder richtige Präsenz, der so wichtige Zielspieler, der den Hessen so lange fehlte in ihrem Spiel. Die Offensive lahmte zwar nicht, aber es wirkte dennoch häufig so, als wüssten die Eintracht-Spieler nicht komplett, wer den Angriff zu Ende spielen sollte. Dann wurde doch noch einmal quer- oder zurückgelegt und häufig war dann ein Verteidiger-Fuß dazwischen und der Angriff vorbei. Mehr noch: Nicht selten konnten die Gegner kontern.
Einen Angriff mit einem Abschluss zu beenden ist nicht nur wichtig, um Tore zu schießen. Es ist auch wichtig, um gegnerische Konter zu unterbinden. Selbst wenn der Ball am Tor vorbeigeht, dann hat die eigene Mannschaft Zeit, geordnet zurück in die Defensive zu manövrieren. Burkardt ist ein solcher Abschluss-Spieler und seine Abschlüsse haben es in sich. Bei 26 Torschüssen und 9 Toren ist jeder 3,4. Schuss im Netz. Damit ist Burkardts Torschussquote um 0,4 besser als die von Bayerns Harry Kane, bei dem „nur“ jeder dritte Schuss im Tor ist.
Verantwortung, Gute Leistung und ein beeindruckter Riera
Beinahe hätte Burkardt dann gegen die Bayern auch direkt aus dem Spiel heraus den 1:2 Anschlusstreffer erzielt, doch der Ball touchierte den Pfosten, statt über die Linie zu rollen. Ärgerlich, aber zeigt, dass mit Burkardt direkt wieder zu rechnen ist. Dass er keine Anlaufzeit braucht, zeigte er dann direkt beim Strafstoß. Selbstbewusst nahm sich der Stürmer den Ball und trieb ihn überaus souverän unten links in die Maschen: Keine Chance für Bayern-Torwart Jonas Urbig. „Johnny“ strotzt vor Selbstbewusstsein und scheint direkt dort weiterzumachen, wo er vor drei Monaten aufhörte. Und auch noch eine Erkenntnis ließ sich ablesen: Die Doppelspitze mit Kalimuendo scheint zu harmonieren! Beide Spieler konnten ihre Stärken ausspielen, ohne sich gegenseitig in die Quere zu kommen. Im Gegenteil: Durch das abschirmen der Bälle in vorderster Front durch Burkardt, konnte Kalimuendo sich durch seine Wendig- und Spritzigkeit genau in die Räume bewegen, in denen er stark ist. Nicht zufällig machte der Franzose das Spiel durch sein 2:3 Anschlusstreffer nochmal spannend. Das könnte im weiteren Saisonverlauf eine echte Waffe der Eintracht werden. Trainer Riera sagte auch nach Abpfiff, dass die beiden Stürmer tatsächlich so harmonieren sollten: „Dieses Spiel war perfekt für Kalimuendo, weil wir wussten, dass sie große Räume zwischen Außen- und Innenverteidigern lassen. Er kann diese Läufe machen und als Flügelstürmer pressen. Deshalb haben wir ihn dorthin gepackt in der zweiten Hälfte. Wir wussten, dass er nicht bei 100 Prozent ist und diese Sache an der Schulter hatte. Er hat zwei Tage lang nicht trainiert. Er hat diese Woche nur die letzten zwei Tage trainiert. Deshalb musste ich ihn zuerst schonen.“
Auch über Burkardt fand der Spanier sehr warme Worte: „Ich bin sehr beeindruckt von Jonnys Einstellung. Die Einstellung zu seinem Beruf, weil er liebt, was er tut. Er wird mal treffen und nicht treffen, aber seine Einstellung ist immer Top. Er ist ein Stürmer, der alles kann. Er kann eine Falsche Neun spielen, aber er kann auch ein echter Mittelstürmer sein. Gute Spieler, die alles können, sind bei mir immer dabei.“
Generell, so Rierea, sei er sehr flexibel, wie er seine Offensive aufstelle: „Gute Spieler können überall spielen. Ich habe das diese Woche zu Kalimuendo gesagt. Er kann auf dem Flügel und natürlich als Stürmer nützlich sein. Als erstes schaue ich, wer spielen soll und dann packe ich sie auf eine passende Position. Es geht nicht darum, dass ich ein System habe und versuche die Spieler in dieses System zu packen. Gute Spieler passen in mein System, also versuche ich ihnen eine passende Rolle zu geben.“
Es spricht derzeit viel dafür, dass sich die Eintracht-Fans auf die kommenden Wochen wieder freuen dürfen.






5 Kommentare
Mich freut besonders, dass unter Riera die gesamte Mannschaft viel ruhiger am Ball ist und überlegter die Bälle spielt.
Natürlich passieren Fehler und da sind die Bayern einfach individuell zu gut um das nicht zu bestrafen. Jedoch selbst Kimmich unterlaufen Fehler.
Blick voraus auf Sonntag, dann zählt es
Wenn dann noch Ebnoutalib zurück kommt, haben wir endlich auch wieder gleichwertigen Ersatz vorne. Und wenn wir vorne immer Gefahr ausstrahlen können, wirkt sich das auch auf die Abwehr aus, weil der Gegner vorsichtiger agieren muss und wir nicht mehr mit Mann und Maus nach vorne rennen müssen.
Ebnoutalib wird von Riera profitieren, ich schätze der wird noch richtig gut werden. Dann haben wir schon ne gute Offensive fürs Saisonfinale. Ich denke da geht noch was...
Nächste Saison hat Riera dann auch Einfluss auf die Kaderplanung, daher bin ich sehr gespannt wie wir uns entwickeln werden.
Irgendwie schon schade, dass die Saison wohl erst jetzt so langsam beginnt. Wären alle fit, halbwegs in Form und die neuen Spieler schon Anfang Saison da gewesen, hätten wir alle viel mehr Freude gehabt. Ich finds echt schade, wir hätten/haben jetzt eigentlich schon einen richtig coolen Kader. Ich finde unsere jungen Spieler toll und wesentlich interessanter als so manch anderen Kader in der Bundesliga.
Ich war selten nach einer Niederlage so entspannt wie heute. Ich sag’s ja wir können jetzt bis Spieltag 33, dann geht’s nach Dortmund, alles gewinnen. Dann sieht’s doch noch gut aus für die Saison.
Du musst eingeloggt sein, um einen Kommentar zu schreiben.