Srdjan Jakic (li.) bejubelt seinen Treffer gegen den HSV. Viele sollten im SGE-Trikot nicht hinzukommen. (Foto: Heiko Rhode)

Es ist das altbekannte Spiel: Die Frankfurter Eintracht verpflichtet einen Spieler, der in einer Spielzeit oder auch nur einer Periode zu überzeugen weiß, hofft auf einen großen Durchbruch und wird enttäuscht. Momentan läuft es bei den Adlerträgern gut, denn sie verpflichteten immer wieder Spieler, die ihre Entwicklung bei der SGE fortsetzen. Genauso griff das Management der Hessen auch mal daneben und stellte einen Spieler unter Vertrag, der nur in einem kurzen Augenblick sein Potential aufblitzen ließ: ein sogenanntes „One-Season-Wonder“. Davon gab es bei den Frankfurtern schon einige. Wir haben uns mal die Mühe gemacht, auf ein paar Spieler zurückzuschauen, die ihre Erwartungen bei den Adlerträgern untertrafen.

Ein solcher Spieler, der direkt nach seiner Ankunft in der Mainmetropole einschlug, war Srdjan Lakic. Der Angreifer stieß im Winter 2013 zur Mannschaft dazu, die unter der Leitung von Trainer Armin Veh zuvor aufgestiegen war. Hinzu kam, dass die SGE die Bundesliga aufmischte, nach der Hinrunde auf Platz vier überwinterte und um die europäischen Plätze kämpfte. Lakic, der vom VfL Wolfsburg ausgeliehen wurde, sollte frischen Wind in den Sturm rund um Alex Meier, Olivier Occéan und Erwin Hoffer bringen. Gesagt, getan! Im ersten Auftritt schnürte der Kroate einen Doppelpack und sicherte den Hessen einen 2:0-Sieg über den Hamburger SV. Doch nach seinem Doppelpack kam kaum etwas. Im Saisonendspurt der Bundesliga steuerte er noch zwei weitere Tore und eine Vorlage bei. Die Eintracht schaffte es, in einem Herzschlagfinale in die Europa League einzuziehen. Lakic blieb bis zum 30.01.2014 ein Adlerträger, doch kam in der restlichen Zeit nicht über 81 Bundesligaminuten hinaus. Seine Leihe endete und von dem vielversprechendem Start blieb nichts übrig.

Im Winter 2016, als sich die Eintracht nach der Hinrunde nur auf Tabellenplatz 14 wiederfand und als abstiegsgefährdet galt, verpflichteten die Verantwortlichen einen neuen zentraloffensiven Mittelfeldspieler, der das Spiel wieder beleben sollte. Ungefähr 3,7 Millionen Euro kostete der Transfer von Marco Fabián zur SGE. In der Relegations-Saison kam er regelmäßig zum Einsatz. Nach dem Klassenerhalt ging er mit seiner neuen Mannschaft in die erste Vorbereitung und konnte anschließend zeigen, was er mit dem Ball am Fuß anstellen kann. Nach einem furiosen Start warfen ihn Rückenprobleme oft zurück. In 24 Einsätzen in Deutschlands höchster Spielklasse traf er sieben Mal selbst und legte weitere vier Tore auf. In seiner dritten Saison weiterhin durch Verletzungen geplagt, kam er kaum noch zum Einsatz. Nach drei Jahren in Deutschland war im Winter 2019 Schluss. Vielleicht auch ein Fußballer der Kategorie „Was wäre, wenn…?“.

Zwei Akteure, zwei Traumtore – und dann?

Wer erinnert sich nicht an den Moment, als Lucas Piazón einen Freistoß gegen den Hamburger SV in den Winkel setzte? Der Brasilianer kam von der Insel – genauer gesagt vom Chelsea FC – leihweise an den Main. Mit diesem Freistoß machte er sich unvergessen. Doch nach dem Traumtor? Während der Saison 2014/2015 konnte Piazón nicht nachhaltig auf sich aufmerksam machen. Nach einigen Kurzeinsätzen und insgesamt vier Scorerpunkten (zwei Tore, zwei Vorlagen) endete das Experiment Piazón bereits wieder. Ein Spieler, der nur durch sein Traumtor in Erinnerung bleiben wird.

Oftmals versuchte Caio es aus der Distanz. Einmal wurde es traumhaft! (Foto: Heiko Rhode)

Ebenfalls einen Treffer, der unvergessen bleiben wird, ist der Strahl, den der offensive Mittelfeldspieler Caio gegen Bayer Leverkusen unter die Latte von René Adler schweißte. Wieder ein Brasilianer, der ein feines Füßchen bewies. Im Januar 2008 kam er für eine Ablöse von 3,8 Millionen Euro zu den Frankfurtern. Der damalige Rekordtransfer! Viereinhalb Jahre spielte Caio für die SGE, stieg mit ihr nach der Saison 2010/2011 in die zweite Liga ab. Dort kam er kaum zum Einsatz. Es folgte der ablösefreie Wechsel in die brasilianische Heimat. In wettbewerbsübergreifend 95 Einsätzen steuerte Caio elf Tore und drei Vorlagen bei.

Performt, begehrt, gewechselt, eingebrochen!

In dieser Kategorie hatte die SGE einige Akteure. Sei es ein Jesper Lindström oder ein Randal Kolo Muani, die bei ihren neuen Arbeitgebern nicht zu überzeugen wissen. Diese beiden als One-Season-Wonder zu bezeichnen, ist noch zu früh. Anders ist das bei Luka Jovic, der als Teil der berühmtberüchtigten „Büffelherde“ bei der Eintracht seine Blütezeit erlebte. Besonders während der Europa-League-Saison 2018/2019 blühte der serbische Angreifer förmlich auf! Doch fangen wir vorne an. Im Sommer 2017 wechselte er auf Leihbasis zur SGE, zeigte seine Qualitäten und gewann mit den Frankfurtern den DFB-Pokal. Die Hessen verpflichteten ihn endgültig. Es folgte die Saison, die Jovic auch in Madrid beliebt machte. 2018/2019 stand er in wettbewerbsübergreifend 48 Pflichtspielen auf dem Feld, traf 27-Mal selbst und legte weitere sieben Treffer auf. Es folgte der Wechsel zu den „Königlichen“, die für den damals 22-Jährigen circa 60 Millionen Euro hinlegten. Der Einbruch kam postwendend. In 22 Partien für Real Madrid traf Jovic zweimal und bereitet ein Tor vor. Mehr Spielzeit sollte her und eine Rückleihe zur SGE folgte. Dort wusste er direkt zu überzeugen, traf im ersten Spiel nach seiner Rückkehr doppelt, doch bestätigte seine Leistungen nicht. Am Ende seiner Frankfurter Schaffenszeit stehen Jovic in allen 93 Einsätzen 50 Scorerpunkte (40 Tore, zehn Vorlagen) zugute. An diese Leistungen konnte er nicht mehr anknüpfen.

Seine besten Leistungen rief André Silva für die Eintracht ab: 40 Tore konnte er erzielen! (Foto: Heiko Rhode)

Eine ähnliche Geschichte nahm sein Nachfolger. André Silva, einst als „der neue Cristiano Ronaldo“ betitelt, sollte den Sturm weiter aufleben lassen. Der Portugiese kam per Leihe vom AC Mailand und sollte in seiner Debüt-Saison kontinuierlich Leistungen bringen (zwölf Tore und vier Vorlagen in 25 Bundesligaspielen), die die SGE von einem Kauf überzeugten. Auch im zweiten Jahr ging dieser Trend weiter und Silva ließ die Abgänge der Büffelherde vergessen wirken. In seiner zweiten Saison erzielte der Stürmer 28 Tore für die Hessen – löste damit nebenbei Bernd Hölzenbein als Rekordtorschützen der Eintracht in einer Saison ab – assistierte bei weiteren acht Treffern und verließ die Adler am Saisonende in Richtung Leipzig. Eine Ausstiegsklausel machte es möglich, dass Silva für wenig Geld seine Zelte abbauen konnte. Er hinterließ eine Duftmarke, die in wettbewerbsübergreifend 71 Spielen (45 Tore, 15 Vorlagen) spürbar war. Zu dieser Form lief er anschließend nicht mehr auf.

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15 Kommentare

  1. Joselu fehlt mir in der Auflistung. Auch wenn hier die Zwischenüberschrift um ein Schlagwort erweitert werden müsste.
    Performt, begehrt, gewechselt, eingebrochen, WIEDER AUFGESTIEGEN
    Hier beste Performance, weggeschlichen nach Hannover, dann habe ich ihn aus den Augen verloren und nun CL Sieger mit Real.

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  2. Jakic war schon fast ein „one game wonder“ und mir fällt dazu noch Michael Hector ein, der mal 16/17 für eine Saison vom FC Chelsea ausgeliehen war. Highlight sein 3:3 gegen Hertha in der 92. Minute. Ich meine er hätte sogar im Pokalfinale 17 gespielt. Sympathischer Kerl, der es aber, glaube ich, nirgendwo richtig gepackt hat.

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  3. Ich denke auch Martin Fenin passt in diese Kategorie.

    Er hat gleich im ersten Spiel drei Tore geschossen. Die Hoffnung war, dass die Eintracht einen echten Wunderstürmer verpflichtet hat.

    Danach war aber mehr Ernüchterung als Wunder.

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  4. Also da gab es in der Vergangenheit sicher noch mehr Beispiele. Mir fallen da spontan folgende ein:

    Thurk
    Fenin
    Kadlec
    Seferovic
    Bellaid
    Mantzios
    Steinhöfer
    Tzavellas

    Auffällig oft hatten wir die One Hit Wonder im Sturm 😛

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  5. Idrissou und Joselu haben ja nicht enttäuscht. Der eine konnte die Finger nicht bei sich behalten und der andere war aus Eintracht-Sicht „Opfer“ seiner Vertragssituation. Mit beiden hätte die Eintracht meines Wissens sportlich gerne weiter gearbeitet.

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  6. Am bittersten sind wohl Jovic und Silva. Das Problem war, dass beiden seit ihrem zwölften Lebensjahr erzählt wurde, sie würden Weltstars werden. Die Eintracht war der richtige Ort für die beiden

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