Lucas Torró muss derzeit zuhause bleiben. Foto: Heiko Rhode

Das Coronavirus hat Deutschland weiter fest im Griff. das Alltagsleben ist fast vollständig heruntergefahren und die Menschen bleiben die meiste Zeit des Tages zuhause, um alle gemeinsam die Kurve der Neuansteckungen zu verflachen.

Was für viele Menschen zwar ein Einschnitt, aber vollkommen leicht zu meistern ist, ist für andere schwieriger. Vor allem dann, wenn die Leute die deutsche Sprache nicht perfekt beherrschen und sowieso schon alleine wohnen. Eine dieser Personen ist Eintracht-Mittelfeldakteur Lucas Torró. Der Spanier sprach im Interview auf der Homepage der SGE über diese Zeit.

Dabei betonte er, dass er aufgrund der Lage natürlich auch mit gemischten und komischen Gefühlen aufwache: „Gerade an den ersten Tagen steht man natürlich mit einem komischen Gefühl auf. Jeder von uns hat normalerweise einen eingespielten Tagesablauf. Jetzt bringt der Coronavirus alles durcheinander. Alles verändert sich und wir müssen zuhause bleiben.“ Genau in dieser Zeit sei es aber wichtig, dass die Menschen weiterhin positiv und an die Mitmenschen denken, erklärte der Spanier: „Aber wir dürfen trotzdem nicht aufhören, positiv zu denken und müssen uns bewusst sein, dass das, was jeder Einzelne tut, dem Wohl der Gesellschaft dient. Wenn man es so betrachtet, vergeht einem zumindest dieses ungute Gefühl. Das Ganze läuft jetzt schon seit einigen Tagen so und man gewöhnt sich langsam daran.“ Die Zeit zuhause habe auch durchaus positive Seiten: „Auf einmal macht man Dinge, zu denen man sonst nicht die Zeit gefunden hat. Zum Beispiel kann man mal wieder mit Freunden telefonieren, von denen man seit einer halben Ewigkeit nichts gehört hat. Oder man liest endlich ein Buch, das schon lange auf der Wunschliste stand.“

Ungewohnte Situation im Einpersonenhaushalt Torró

Für ihn selbst sei die aktuelle Situation aber sehr ungewohnt, erklärte der 25-Jährige. Dies liege vor allem daran, dass er nun die meiste Zeit alleine und nicht im gewohnten Kreis der Mannschaft der Eintracht sei: „Es ist natürlich sehr ungewohnt, meine Mannschaftskollegen nicht zu sehen. Ich wohne hier in Frankfurt alleine und daher greift bei mir die Quarantäne sozusagen in meinem eigenen Einpersonenhaushalt. Es fällt schwer, für eine Weile keinen Kontakt zu anderen Menschen haben zu dürfen.“ Hier seien die Möglichkeiten im Internet, die die Menschen mittlerweile haben, aber sehr hilfreich: „Zum Glück leben wir heutzutage in einer optimal vernetzten Welt, in der man sich dank Social Media oder per Videoanruf austauschen kann. Das macht die ganze Sache doch wieder etwas angenehmer.“

Auch dank dieser Technologien hat der Defensivmann derzeit natürlich viel Kontakt zu seiner Familie, die in Spanien wohnt, wo es bereits seit einer Woche eine Ausgangssperre gibt und wo das Virus besonders heftig einschlug – obwohl man sich am Anfang nicht besonders viel mit der Thematik beschäftigt habe, weil man dachte, dass sie ja weit weg war, wie Torró zugab. „Jetzt trifft es Spanien besonders hart und da ist die Betrachtung eine ganz andere. Man nimmt es viel ernster. Meiner Familie geht es aber Gott sei Dank gut.“ Trotzdem ist der Rechtsfuß derzeit in großer Sorge: „Meine Eltern gehören zur Risikogruppe, weswegen ich mir natürlich Sorgen um sie mache. Sie nehmen das mit der Isolation sehr ernst und das beruhigt mich.“

Viel Unterstützung der SGE für ihre Spieler

Selbstverständlich hat sich auch bei den Profis der Eintracht – wie bei fast allen Menschen – auch der Tagesablauf spürbar geändert. Während man sich sonst fast den ganzen Tag sah und die Spieler miteinander trainierten, ist jetzt quasi Homeoffice angesagt, auch was das „Fithalten“ angeht. Torró betonte, dass er hier viel Hilfe von der SGE bekommen habe: „An dieser Stelle möchte ich mich erst einmal beim Verein dafür bedanken, dass er jeden von uns mit einem Fahrrad ausgestattet hat. So können wir von zu Hause aus unsere Übungen machen und daran arbeiten, dass das ausbleibende Mannschaftstraining möglichst wenig an Substanz kostet. Auf dem Fahrrad machen wir alles, was uns die Athletik-Trainer vorgeben.“ Dies sei zwar nicht das Selbe wie mit der Mannschaft auf dem Platz, es helfe aber, dass sich die Profis in Form halten. „Wir werden alles tun, um so wenig wie möglich an Form und Physis einzubüßen. Aber ich glaube, es wird uns schon ein wenig schwerfallen, wieder mit 100 Prozent Fitness ins Training einzusteigen. Aktuell gilt es nun einmal, von zu Hause aus zu trainieren“, so der Mittelfeldmann.

Aber nicht nur was das Sportliche angeht ist die Eintracht für ihre Spieler da, sondern auch im Alltag. So können sich die Spieler unter anderem Essen beim Mannschaftskoch bestellen, was der Spanier bereits wahrgenommen habe: „Von Vereinsseite wird alles unternommen, damit uns der Umstand der häuslichen Isolation so wenig wie möglich beeinträchtigt. So wird uns beispielsweise angeboten, für die zwei darauffolgenden Tage Essen zu bestellen, das uns nach Hause geliefert wird. Das erleichtert mir das Leben sehr, da ich alleine wohne und das Haus nicht verlassen darf. Bedanken möchte ich mich aber auch bei meiner Nachbarin, die so nett war, einige Sachen für mich einzukaufen.“

Schach ja – Challenges nein

Dadurch falle es ihm auch leichter,  einen geordneten Tagesablauf zu bekommen. „Ich versuche mir eine gewisse Routine anzueignen, um die Tage gut zu nutzen und wenigstens einen geordneten Tagesablauf hinzubekommen. Das ist tatsächlich gar nicht so einfach, wenn man viel Freizeit hat. Aber ich glaube, dass wachsende Routine uns besser macht und uns ermöglicht, die Zeit optimal zu nutzen.“ Dabei verbringt er seine Zeit so zu verbringen wie wohl die meisten Menschen in häuslicher Quarantäne: „Ich versuche, weiterhin zur selben Uhrzeit ins Bett zu gehen, um früh aufzustehen und viel vom Vormittag zu haben. So kann ich in Ruhe frühstücken, Nachrichten lesen und mit der Familie und Freunden sprechen. Außerdem lese ich aktuell ein Buch, das ich wiederentdeckt habe, mache meine Übungen und spiele viel Schach.“

Nicht dazu zäheln aber die vielen Challenges, die derzeit in den sozialen Netzwerken ausgetragen werden. Diese stehen aber nicht auf dem Tagesprogramm des Spaniers. Dies hat aber einen ganz einfachen Grund: „Natürlich habe ich mitbekommen, dass einige Challenges initiiert wurden. Aber da ich persönlich auf  solchen Social-Media-Kanälen wie Instagram und Twitter nicht sonderlich aktiv bin, habe ich auch kein Challenge-Video hochgeladen.“

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4 Kommentare

  1. Prima, dass es bei LT so gut läuft und dass er den Umständen entsprechend zufrieden ist.
    Ein Dank der Nachbarin und bei dieser Gelegenheit den Tausenden, die jetzt überall mit Hilfsbereitschaft unterwegs sind.
    Aber ! Ich habe das im letzten Beitrag angesprochen : LT bestätigt, die Spieler und die Mannschaft kann nach dieser Isolation nicht bei 100 % sein und deshalb bin ich sehr skeptisch, dass ein fairer Spielbetrieb möglich sein wird. Zumindest die nächsten 2-3 Monate.
    Wollen wir das wirklich ?
    Forza SGE !

  2. Nicht nur, dass sie Spieler unterschiedlich gut drauf sein werden, auch ist das Verletzungsrisiko höher, wenn jemand nicht bei 100% ist. Also schon knifflige Lage.

    Anonsten ist das ein echt guter Hinweis, dass es einige Leute gibt, die alleine in 1-Zimmerwohnungen leben und ansosnten einen vollkommen komlett anderen Tagesabluaf haben! Das stell ich mir auch krass vor.

  3. @1. dieter:
    Deine Bedenken sind grundsätzlich berechtigt!
    Aber! :
    Dieses Schicksal trifft vermutlich alle 18 Vereine (um in der 1. Bundesliga zu bleiben) und wir haben es ja auch überhaupt nicht alleinig in der Hand.
    Wenn DFL & DFB sich in Abstimmung mit den betroffenen Vereinen (der Mehrheit) einig sind, die Saison „auf Biegen&Brechen“ fertig zu spielen, auch unter Hinnahme von Geisterspielen, dann wird Eintracht Frankfurt kaum sagen: „ohne uns“.
    Insofern, abwarten und Tee trinken, was und wie irgendwann mal entschieden wird.

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