Der Moment, auf den viele Eintracht-Fans seit Jahren warteten. Foto: Imago/ActionPictures

Die zwei Tore von Ante Rebic für die SGE, der zwischenzeitliche Ausgleich des FC Bayern und der Lauf auf das leere Tor von Mijat Gacinovic zum 3:1, der Sieg des Fußball-Davids Eintracht Frankfurt gegen den Goliath FC Bayern München – das DFB-Pokalfinale vom 19. Mai 2018 wird wohl vielen Menschen in ganz Fußball-Deutschland noch lange in Erinnerung bleiben.

Als Gacinovic vor knapp drei Monaten mit seinem epochalen Lauf über das ganze Spielfeld und dem anschließenden 3:1 den Deckel auf die Partie machte, versetzte er nicht nur die gesamte Ostkurve des Berliner Olympiastadions, das komplette Waldstadion, wo ein Public Viewing stattfand, und eine ganze Stadt in Ekstase, sondern erfüllte auch vielen Fans der SGE einen Traum – den großen Traum vom Titel. Einer dieser Fans bin ich.

Die Eintracht seit Kindestagen im Herzen

Seit Kindestagen schlägt mein Herz für die Frankfurter Eintracht. Seit ich 16 bin fahre ich regelmäßig auf rund 25 bis 30 Spiele pro Saison. Und in all diesen Jahren habe ich immer einen großen Traum, ein großes Ziel mit der Eintracht gehabt: Einmal einen „richtigen“ Titel gewinnen. Nicht einen „Frankfurt Main Finance Cup“ oder eine „Trofeo Bortolotti“, ohne diese Titel schlechtreden zu wollen. Auch bei der Wahl zwischen der deutschen Meisterschaft oder dem DFB-Pokal fiel meine Wahl immer auf den Pokal. Klar, die Meisterschaft ist vielleicht der ehrlichere Titel, hier muss man eben nicht nur sechs, sondern 34 Partien spielen und das ganze Jahre über seine Leistung bringen. Trotzdem hat der Pokal und ein Finale schon immer einen besonderen Reiz gehabt – ein Spiel, in dem es um alles oder nichts geht.

Und genau dieses Finale gab es nun. Zum zweiten Mal in Folge – und nachdem ich der SGE und meinem großen Traum gegen den BVB im Jahr 2017 noch Chancen ausgerechnet hatte, sah ich diese Mal eigentlich kaum welche. Zu übermächtig und zu dominant waren die Bayern. Trotzdem stellte sich die Frage nicht, ob nach Berlin gefahren und die Eintracht dort angefeuert wird.

Der Verein steht im Vordergrund – alle für die Eintracht!

Denn auf solch ein Finale freut man sich die ganze Saison, ja quasi sein ganzes Leben. Man sitzt stundenlang im Bus, in der Bahn, im Auto, ja sogar im Flugzeug, um „seinem“ Verein nachzureisen. Man quält sich auch oft aus dem Bett oder wenn man vielleicht keine Lust auf mehrere Stunden Fahrt hat. Die Fahrten selbst zählen dann oft mehr als das sportliche Ergebnis. Natürlich ist man auf die eigene Mannschaft sauer, wenn sie verliert, aber es geht um mehr. Es geht nicht um einen Makoto Hasebe oder einen Ante Rebic, der gerade zwei Tore macht. Es geht (zumindest für mich) um den Verein Eintracht Frankfurt und darum, diesen so gut es geht zu repräsentieren, diesen gut dastehen zu lassen. Daher freut man sich natürlich, wenn die Mannschaft gewinnt, denn diese repräsentiert das Sportliche. Ich freue mich aber auch über volle Blocks und lautstarke Gesänge aus dem Eintracht-Block, denn auch diese Seite der SGE bleibt im Gedächtnis.

Und genau was diese Punkte angeht, hat die Fanszene der Eintracht einmal mehr gezeigt, dass sie zu den besten in ganz Deutschland gehört. Angefangen vom wahnsinnigen Fahnenmeer und der unglaublichen Choreografie der Ultras, über den Support und den Jubel während des Spiels. Und dann war es so weit: Mijat Gacinovic schiebt den Ball über die Linie und eine ganze Stadt flippt aus. Egal wo ich hinsehe, sehe ich Tränen in den Augen, auch mich überkommt dieses Glücksgefühl. All die Jahre, all die bitteren Niederlagen, all die vielen Spielerverkäufe, all die Enttäuschungen – vergessen. All die Stunden im Bus, im Auto oder im Zug – vergessen. Jeden Euro, den man in die Eintrittskarten, die Zugtickets, in Benzin investiert hat – er war es wert. Es war einfach nur ein vollkommenes Glücksgefühl. Nicht nur für mich, sondern für tausende andere Menschen.

Ich will das noch einmal erleben!

Und jetzt? Wenn ich immer dachte, dass mir nach einem Titel die Motivation fehlt, so muss ich jetzt sagen: Nein, die Motivation zum Fußball zu fahren ist jetzt erst recht da. Ich will mehr davon, dieses Gefühl war berauschend, fast perfekt. Der Moment, als David Abraham und Alex Meier den Pokal in der Berliner Nachthimmel reckten, war mehr, als die offizielle Krönung der Eintracht zum Pokalsieger. Es war mehr als ein Glücksgefühl für die Eintracht-Fans. Es war einfach ein rundum perfekter Moment, ein perfektes Gefühl. Und genau dieses Gefühl will nicht nur ich – so glaube ich zumindest- noch einmal erleben. Gewiss, ein Titel wird nun ein nicht jährlich wiederkehrender Moment sein. Aber trotzdem und vielleicht genau deswegen: Ein weiterer Titel ist nicht mehr und nicht weniger als der nächste große Traum – von mir, von tausenden aktuellen Fans und von späteren Generationen! Und ich bin wirklich dankbar, dass ich diesen Moment schon einmal erleben durfte.

Autor Florian Bauer

Florian BauerFlorian Bauer (27) begleitet die Eintracht seit Kindestagen. Seit ca. 10 Jahren hat er eine Dauerkarte und verpasst seitdem kaum ein Spiel der "launischen Diva". Aber auch außerhalb des Waldstadions ist er sportaffin und hat sich so über die Jahre ein fundamentiertes Sportwissen angeeignet. Dieses Wissen nutzt er seit Januar 2016 für SGE4EVER.de.

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17 Kommentare

  1. word!
    Wir sind die Generation, deren größte Partys mit der SGE Nichtabstiege, oder Aufstiege waren.
    Deutscher Pokalsieger 2018!!!
    Egal wie das Spiel heute ausgeht, den Titel nimmt ums keiner mehr!

  2. Hey Florian, gut geschrieben und ich weiß sehr genau was Du meinst. Als mich mein Vater ca. 1971 das erste mal mit ins Stadion nahm, hat mich diese Atmosphäre, dieses Besondere was man nicht genau erklären oder definieren kann, nie mehr losgelassen. Ich erinnere mich noch an viele, tolle Momente, garnicht unbedingt so spektakulär, also beispielsweise das „Williiiiiie“, wenn Neuberger am Ball war. Mein erstes, richtiges Highlight war dann Stuttgart 1981. den UEFA Pokalsieg hab ich „nur“ im Fernsehen verfolgen können, aber nach Stuttgart ist mein Dad mit mir gefahren. Ich war so aufgeregt und nach dem Spiel hab ich mich so groß und so stolz gefühlt. Es war unbeschreiblich. 1988 war ich dann ebenfalls in Berlin und es erging mir ähnlich. Auch Rostock ist hängen geblieben, bzw. die Narben davon. Seit 1996 wohne ich in München und meine Fanseele, meine Emotionen, die Leidenschaft und das Zugehörigkeitsgefühl zu diesem Verein sind stärker ausgeprägt den je… Spiele wie das letzte Pokalfinale sind für mich das perfekte Gefühl und ich bin froh das mich solche Emotionen und diese Leidenschaft mein ganzes Leben begleiten. Es ist nicht nur das Runde was ins Eckige muß, es ist dieser Monent in dem die Faszination die Seele berührt !

  3. Ich bekomme Gänsehaut wenn ich den Beitrag oben lese.

    Mein erstes Spiel im Stadion als mein Bruder mich gegen Bayern in den G-Block mitnahm,wir gegen Bayern deutlich verloren und ich trotzdem dank der Stimmung Eintracht Fan geworden bin. Einfach nur Danke !
    Wie langweilig wäre mein Fussballleben mit dem
    Fcb !
    Ich liebe es einfach zu den Auswärtsspielen zu reisen. Egal ob nach Braunschweig oder München.

    Dieser Titel war jeden gefahrenen km wert. Ich bin zwar 85 geboren aber so richtig miterleben konnte ich natürlich noch keinen Titel !

    Außer Aufstiege und Nichtabstiege, die sich alle wie Meisterfeiern anfühlten.

    Und was interessiert mich dieser Supercup? Gerne können wir diesen gewinnen aber wir sind DFB-Pokalsieger2018 !

  4. ganz ehrlich?! ich genieße das heute einfach nur, völlig egal wie das ausgeht. den Titel nimmt uns keiner und ist um einiges mehr wert als 10 Meisterschaften der Bayern hintereinander!
    und: eben weil er so selten ist umso besonderer! (das soll jetzt aber nicht heißen, dass man da dann immer 30 jähre drauf warten muss :-))

  5. Sehr schöner und emotionaler Artikel!
    Das erste Spiel, was ich erleben durfte, war das Meisterschaftsfinale 1959 gegen den OFC. Seither bin ich Fan der SGE. In diesen 59 Jahren habe ich mit der Eintracht auch einiges erlebt.

  6. Auswärtsspiel in Dortmund Ende der Siebziger. 1:0 für die geile Schwarzrot-bebalkte Mannschaft. Torschütze ein gewisser Bun Kun Cha. Seitdem Dauerleidenschaft. Tränen und Titel, Tränen und Katastrophen. Aber niemals ohne Stolz. Und jeder Tag die Bestätigung: bei allen Vereinen unter der Sonne, darf ich ein Teil des geilsten Vereins sein.
    SGE, nur du!!!

  7. Sehr schöner Beitrag Florian. Zum ersten Spiel von unserer Eintracht hatte mich mein Onkel mitgeschleppt, da war ich grade mal 6. Das war im April 1959, dem Meisterschaftsjahr in der Oberliga Süd. Spiel war bei SW 05 und 2:0 für die SGE.

    Seitdem hängt mein Herz an meiner Eintracht und so wird`s auch bleiben.

    Danke Euch, daß ich das schreiben durfte.

  8. Ein sehr schöner, emotionaler Artikel. Da bekommt man tatsächlich Gänsehaut!
    Ich kann mich noch ganz genau an mein erstes Spiel erinnern: 05.5.84.
    Eintracht gg Nürnberg, Abstiegsduell. Wir gewannen 3:1, Charly machte zwei Buden und brach sich kurze Zeit später das Schienbein. Das 3:1 machte dann kurz vor Schluss ein gewisser T.Berthold, heute eher als Dummschwätzer unterwegs, aber das ist dann wirklich ein anderes Thema.
    Hoffentlich hauen wir heut Abend den Bauern aufn Sack!
    In diesem Sinne, alles für Eintracht Frankfurt!!!

  9. Huch…ich bin doch nicht der einzigste „alte Sack“ im Forum:
    Als 16jähriger Bub (April 1980) flossen bei mir nach dem 6:1 im Europapokal-Sieg gegen die Glasgow-Rangers Freudentränen.und beflügelte mich zum Vereinsbeitritt mit „bescheidener“ Fußballkariere ab B-Jugend bis zu den Junioren. Auch in Stuttgart schlägt heute noch mein Herz für die Eintracht.

  10. @13 Hacki

    nein, nein; bist längst nicht der einzigste Stein(alt)-Adler, hihi

    1. Eintrachtspiel im alt-ehrwürdigen Waldstadion gegen Braunschweig am 3.4.71;
    5:2
    ein wahnsinns guter Grabowski: 4 Torvorlagen; 2 Tore von Heese; 2 x Hölzenbein, 1 x Kalb.
    Ein Traumeinstand für einen 14-Jährigen (sofort im G-Block), der aber schon seit 1964 immer samstags für die Eintracht eifrig am Radio mitfieberte.
    Adlergruß
    Danke Florian und danke @2 und @3 für diese herzerwärmenden Kommentare.

  11. in diesem Zusammenhang möchte ich hier mal eine Frage reinwerfen:

    ist zufällig jemand hier dabei, der um diese Zeit (frühe 70-er Jahre) mitgewirkt hat,
    den Fanclub „Adlerträger Mühlheim“ ins Leben zu rufen oder auch dann einfach dazugestossen ist?

  12. Gleich geht’s los 🙂
    Ach was ist die Vorfreude groß.

    Dann präsentier ich auch mal mein erstes mal,
    mit 8 Jahren am 07.08.87
    So jung, dass ich sogar eingeschlafen bin als kleener Bub 🙂

    Frankfurt 0:1 VfL Bochum

    2. Spiel auf Platz 14. Endplazierung: 9. Platz.

    Von folgender Aufstellung, muss ich sagen, kenn ich auch nicht mehr alle:
    TW Hans-Jürgen Gundelach
    AW Manfred Binz
    AW Thomas Klepper
    AW Charly Körbel
    AW Dieter Schlindwein
    MF Lajos Detari
    MF Dirk Heitkamp
    MF Frank Schulz
    ST Ralf Balzis
    ST Wlodzimierz Smolarek
    ST Janusz Turowski

    RESERVEBANK
    MF Uwe Müller
    ST Holger Friz

    TRAINER
    Karl-Heinz Feldkamp

  13. Hallo an alle,

    zu Beginn „Herzlichen Dank“ für das viele Lob, das ihr mir für meinen Kommentar dagelassen habt 🙂

    Ich finde die Kommentare hier ziemlich cool und habe mir etwas überlegt:
    Ich würde gerne ein „SGE4EVER.de-Leserspecial“ machen. Und dazu brauch ich Euch!:) Das Special soll unter dem Thema „Unser erstes Mal mit der Eintracht“ stehen.
    Hier sollen sich unsere Leser hier aus dem Forum und der Community vorstellen und ihr erstes Spiel bei der Eintracht vorstellen.

    Also, wer dabei sein will: Bitte schickt mir an florian@sge4ever.de eine Mail inklusive Bild von euch (am besten natürlich im SGE-Outfit) und erzählt mir, wo euer erstes Eintracht-Spiel war, wer der Gegner war, wie es ausging und an was ihr euch besonders erinnert. Wenn genügend Leute mitmachen, stelle ich einen kleinen Artikel zusammen 🙂

    Ich hoffe, dass sich viele von euch melden 🙂

    Viele Grüße
    Florian

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