Martin Hinteregger macht das Spiel seines Lebens und ist am Ende wegen des verschossenen Elfmeters untröstlich. Der Österreicher wird zum tragischen Helden. (Foto: imago images / Uk Sports Pics Ltd)

Nach dem 1:6 Debakel in Leverkusen, ging es für die Eintracht zum Showdown nach London. Auch wenn die Niederlage gegen den unmittelbaren Konkurrenten um die Champions-League schmerzte, war schnell klar, dass die Frankfurter sich in London anders präsentieren würden. Für viele der Spieler sollte das Spiel an der Stamford Bridge das Spiel des Lebens werden. Nach einem erkämpften 1:1 im Hinspiel hatten die Hessen noch alle Möglichkeiten ihren Traum von Baku zu verwirklichen. Adi Hütter sprach im Vorfeld der Partie davon, dass man mit diesem einen Spiel Geschichte schreiben könnte und am Ende muss man sagen, dass diese Mannschaft Geschichte geschrieben hat, auch wenn man am Schluß dramatisch im Elfmeterschießen scheiterte. SGE4EVER.de hat das Spiel wie immer noch einmal analysiert und dabei festgestellt, dass die SGE trotz der Niederlage der absolute Gewinner dieser Europa-League-Saison ist:

Ein nahezu perfektes Spiel
Die Frankfurter kamen gut in die Partie und konnten sich bereits in der ersten Viertelstunde einige gute Möglichkeiten erspielen. Insbesondere die Chance von Danny Da Costa, der die Eintracht beinahe mit einer traumhaften Direktabnahme in Führung geschossen hätte, war ein Fingerzeig, dass an diesem Abend alles möglich sein könnte, wenn man weiter mutig nach vorne spielt. Nachdem sich Chelsea besser auf das Pressing und den daraus resultierenden Druck der Adlerträger eingestellt hatte, drehte sich die Partie plötzlich zugunsten der Londoner. Die Frankfurter kämpften leidenschaftlich, allerdings wurde eine einzige Unachtsamkeit sofort mit der Führung für die Engländer bestraft. Wer die Truppe von Adi Hütter nun abschrieb, sollte sich getäuscht sehen, denn nach der Pause spielte die Eintracht wie entfesselt und spielte sich dabei Chance um Chance heraus. Chelsea konnte sich in dieser Phase kaum noch befreien, immer wieder landeten die zweiten Bälle bei der SGE und das Publikum in der Stamford Bridge wurde immer unruhiger. Die Frankfurter pressten nahe an der Perfektion und technisch hoch veranlagte Spieler von Chelsea spielten plötzlich aus der Not heraus Fehlpässe, wie man sie nur selten sieht. Die SGE hatte die Londoner in dieser Phase total im Griff. Folgerichtig kamen die Hessen nach einer tollen Vorbereitung von Mijat Gacinovic zum Ausgleich durch Luca Jovic. Die Eintracht war nun drauf und dran das Spiel völlig auf den Kopf zu stellen und spielte weiter frech nach vorne. Der Wille der Spieler war spürbar und die Sensation zum Greifen nahe.

Ausgerechnet Martin Hinteregger
Erst gegen Ende der Partie, als Chelsea noch einmal gehörig Druck aufbaute, musste man sich eine regelrechte Abwehrschlacht liefern. Martin Hinteregger stach dabei einmal mehr hervor, denn nachdem er zunächst Olivier Giroud über zwei Spiele komplett zur Verzweiflung brachte, war es dann auch noch der eingewechselte Gonzalo Higuain, den er überhaupt nicht ins Spiel kommen ließ. Und so sollte dieses wahnsinnig intensive, kampfbetonte und leidenschaftlich geführte Spiel tatsächlich in die Verlängerung gehen. Wer in den letzten Wochen davon sprach, dass diese Mannschaft überspielt oder müde ist, sollte in der Verlängerung einen erneuten beeindruckenden Kraftakt der Hessen bewundern dürfen. Sebastian Haller feierte sein Comeback und wäre dabei auch fast der Held für die Geschichtsbücher geworden. Seine zwei großen Möglichkeiten wären beinahe die Eintrittskarte für das Finale in Baku gewesen. Wer die Eintracht kennt, weiß, dass es bei der Diva vom Main aber nicht ohne Drama geht. So sollte sich dieses Halbfinale tatsächlich im Elfmeterschießen entscheiden und das Drama dort seinen Höhepunkt erleben. Dass, nachdem Kevin Trapp einen Schuss der Londoner pariert hatte und die Eintracht alle Trümpfe in der Hand hatte, ausgerechnet Hinteregger seinen Elfmeter vergab, sollte die wohl traurigste Geschichte des Abends werden. Auch dem letzten Schützen Goncalo Pacienca versagten die Nerven und so zogen schlussendlich tatsächlich die Londoner, wenn nach diesem Spiel auch unverdient, ins Finale ein.

Große Momente trotz Niederlage
Soll man nun wirklich hinterfragen, ob beispielsweise eine andere Reihenfolge der Schützen beim Elfmeterschießen etwas am Ausgang verändert hätte? Soll man wirklich hadern, weil der Londoner Kapitän eigentlich noch in der regulären Spielzeit vom Platz gehört hätte? Soll man sich immer wieder fragen, was wäre gewesen, wenn David Luiz nicht auf der Linie gerettet hätte? Dieses Spiel bedarf keiner großen taktischen Analysen oder Überlegungen, was Adi Hütter hätte ändern oder besser machen können. Dieses Spiel war trotz des bitteren Ausscheidens ein Sieg für den echten und ehrlichen Fußball. Diese Mannschaft hat eine Reise durch Europa hingelegt, in der sie der Welt gezeigt hat, dass es etwas viel wichtigeres gibt, als das viele Geld der Investoren oder Scheichs und die vielen hochbezahlten Top-Stars, die sich kaum noch mit einem Verein identifizieren können. Gemeinsam mit ihren unfassbaren Fans, hat diese Truppe alles verkörpert, wofür wir Menschen den Fußball lieben. Wer die Bilder nach dem Abpfiff an der Stamford Bridge noch einige Minuten verfolgt hat, wird festgestellt haben, dass sowohl die Mannschaft, als auch die Fans des Finalisten das Stadion innerhalb weniger Minuten verlassen haben. Und die Frankfurter? Die feierten Ihre Mannschaft noch lange nach dem Schlusspfiff, bauten ihre Spieler auf, nahmen ihren tragischen Helden Martin Hinteregger in den Arm und zeigten ihren größten Moment in der Niederlage. Durch diesen Moment wird man keinen Pokal in die Höhe strecken können, aber es zeigte, dass es in dem heutigen Fußballgeschäft auch noch wichtigere Dinge gibt, als Titel und Geld. Die Eintracht steht zwar nicht im Finale und doch ist sie irgendwie der heimliche Gewinner. Der Gewinner, der die Herzen von ganz Europa im Sturm erobert hat. Und das ist etwas, was sich all die Top-Clubs mit Ihren Investoren niemals kaufen können.

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18 Kommentare

  1. So isses!!!

    Danke Laura, du sprichst mir aus der Seele.

    Egal ob es nun CL, EL oder (was ich verdammt noch mal nicht glauben will) Platz 8 wird, mehr Werbung hat diese Saison außer Ajax kein ‚kleiner‘ Verein für sich gemacht. Pokalsieg, EL Halbfinale und gezeigt, dass ein Wechsel nach Frankfurt sportlich ein Sprungbrett ganz nach oben sein kann. Mir ist vor der Zukunft nicht bange und ich denke, dass die letzten 12 Monate das Fundament für ein dauerhaftes Mitspielen um die Plätze 1-6, ok, 4-6 waren.

  2. Ich find es schade dass nur über Hintis Elfer geredet wird. Der war Ansich gut geschossen. Hart und platziert in die Mitte. Wie der Weidenfeller schon gesagt hat, so ein Schuss geht zu 95% rein. Leider war der Keeper so abgezockt, dass er stehen geblieben ist.
    Gonzos Elfer war dagegen leider eher schwach geschossen. Platziert neben den Pfosten ist ein Elfmeter immer drin, so wurde er relativ einfach gehalten.
    Aber keinen Vorwurf an gonzo. Der Druck war unglaublich.
    Ich bin stolz wie Bolle!
    210 Minuten Ungeschlagen gegen diese millionentruppe

  3. Zitat Eintracht Frankfurt (Facebook)
    „Falls sich jemand wundert: Wir machen das übrigens wie mit dem DFB-Pokal. Erstmal dran schnuppern, dann ein Jahr später wiederkommen und vollenden. 40 Jahre nach dem letzten Erfolg klingt auch viel besser als 39.“

    Das klingt nach einem Plan und diesmal ist das auch nicht so weit weg, sondern im Nachbarland Polen- in Gdańsk an der Ostsee. 🙂

    Gruß SCOPE

  4. Ich haben allen die Note 1 gegeben, weil ich einfach nur stolz auf das Team bin. Allerdings hätte ich Hinti bis einschließlich zum Zeitpunkt des 1:0 eine schlechtere Note gegeben. Er hat in kurzer Zeit 4 mal hintereinander beim Versuch lange Bälle zu schlagen seinen unmittelbaren Gegner der 1 bis 3 m vor ihm stand angeschossen. Deshalb hatte ich hier zur Halbzeit gefragt, ob er irgendwie eine Verletzung hat, irgendwie Sehbeschwerden wie bei einer Gehirnerschütterung. Für meinen Geschmack hätte er den Torschützen auch früher angreifen müssen. Danach war er natürlich 1**

  5. @5, Grantler
    Du darfst gespannt sein auf die Benotung heute Abend. Es scheint, als sei der eine oder andere deinem Beispiel gefolgt 😉

  6. Es war eine magische Nacht die uns keiner mehr nehmen kann, wir werden wieder angreifen, aber erstmal jetzt versuchen in Mainz was zu holen. Hoffe das die Jungs ein wenig Kraft mit heim bringen um die Karnevalisten zu knacken, wird nochmal ein echter Kraftakt, hoffentlich mit Haller.

  7. Ein guter Freund von mir, ist BVB-Fan. Er hat wie viele Millionen andere Fußballfans in Deutschland gestern mit unserer SGE gefiebert.
    Nach dem Spiel war ich etwas geknickt und dann schreibt er mir weit nach Mitternacht nicht viele aber unheimlich ehrlich gemeinte Worte:

    „Kopf hoch, ihr wart überragend“

    Je länger ich über diesen Satz nachdenke, wird mir klar: Er hat Recht und ich bin mega stolz.

    Danke Jungs!!!

  8. Gibt so ein geiles Foto wo sich Hinti hat trösten lassen von einem SGE-Fan.
    Selbst wenn der Elfer nicht erste Sahne war, die Reaktion von dir Hinti macht dich so authentisch und dafür liebe ich ihn. Alles gegeben das ist Eintracht Frankfurt

  9. So, jetzt läster ich mal kurz. Beim Pressekonferenz Thema haben 40 Leute das Team angefeuert, ratet mal wer fehlt ? Kleiner Tipp, sein Bundesland ist in seinem Namen drin

  10. Ja, sorry Joe, ich musste Arbeiten, grade erst Feierabend 😀 😀 😀

    Aber, Gänsehaut. Normalerweise ist hier nach Niederlagen eine mitunder toxische Stimmung, oder es ist verweist. Wir sind hier eine kleine Community, aber trotzdem sind wir Alle (99.8% ist für mich eine absolute Mehrheit) einfach nur stolze Adler. Wow, das und das Hinti Foto treiben mir Pipi in die Augen!!!!

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