An ein normales Training ist aktuell noch nicht zu denken (Bild: Imago Images/Jan Huebner)

Vor knapp einem Jahr wechselte Dominik Kohr von Bayer Leverkusen zu Eintracht Frankfurt. Seitdem absolvierte der Mittelfeldspieler 29 Pflichtspiele in denen ihm ein Tor (beim 5:0-Sieg in Vaduz) gelang. So richtig zufrieden ist er mit seiner Entwicklung allerdings nicht wie er im Interview mit „Eintracht.de“ erzählt.

Corona als Chance? Kohr vertraut auf die Zeit danach

„In der Hinrunde ist auch nicht alles glattgelaufen, dessen bin ich mir bewusst. Ich bin aber auch nur ein Mensch und an falschen Entscheidungen kann man wachsen“, so Kohr. In der Einzelkritik zu seinen Leistungen wurde immer wieder bemängelt, dass er sich zu wenig traut und ihm häufig zu einfache Fehler unterlaufen. „Wenn einem Spielpraxis fehlt, dann versuchst du auch nicht immer, volles Risiko zu gehen. Sobald du vermehrt zum Einsatz kommst, gewinnst du automatisch an Sicherheit“, beschreibt er das Dilemma. Dennoch glaubt er weiter an seine Stärken und weiß, welches Potenzial er besitzt: „Ich weiß, was der Trainer möchte und ich versuche, ihm das im Training zu zeigen. Ich setze mich nicht unter Druck. Wenn meine Chance kommt, dann werde ich da sein. Ich vertraue darauf, dass ich überzeugen kann, wenn es wieder losgeht.“

Kein Bundesliga-Kaltstart – Mannschaftstraining ein Muss

Wann es aber wieder los geht, das ist noch mehr als unsicher. Einen Kaltstart der Bundesliga hält er hingegen für keine gute Idee: „Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, von heute auf morgen auf einmal wieder Fußball zu spielen. Auch in den Saisonvorbereitungen hat man als Mannschaft mindestens zwei Wochen Trainingszeit. Ich denke, wir müssen erst wieder gemeinsam mit den Jungs das Elf-gegen-Elf trainieren, bevor wir wieder Pflichtspiele absolvieren können.“ Zudem spiele der Kopf eine große Rolle in der Vorbereitung auf die Saison, dort habe man einen genauen Zeitpunkt im Blick. Derzeit werde nur in Kleingruppen trainiert, ein richtiges Mannschaftstraining ist undenkbar.

Kohr sei sich aber sicher, dass die Bundesliga unter den aktuellen Hygiene- und Sicherheitsbestimmungen fortgesetzt werden kann. „Wir wurden von unseren Ärzten gut aufgeklärt. Wir Spieler gehören nicht zur Risikogruppe und ich weiß, dass ich hier in den besten Händen bin, falls doch etwas sein sollte. Ich habe keine Angst davor, den Spielbetrieb wieder aufzunehmen.“ Schutzmasken auf dem Feld halte er indes für unvorstellbar, „wenn du auf dem Platz bist, dann schwitzt du, eine Maske würde meiner Meinung nach nur stören.“

„Endlich wieder raus und in ein Restaurant gehen“

Zumindest vergleichbare Erfahrungen in Sachen Quarantäne sammelte der 26-Jährige aber bereits schon einmal in seiner Karriere: „Als wir bei der U21-EM den Titel gewonnen haben, waren wir für die gesamte Vorbereitung und bis zum Finale sechs Wochen lang im Hotel – das war ja sozusagen eine Art Quarantäne.“ Für eine Bundesliga-Fortsetzung könne er sich also vorstellen, sich in eine Hotel-Quarantäne zu begeben. Anders als sein Teamkollege Danny da Costa, der sich gegen diesen Vorschlag aussprach. Am liebsten hätte er aber die Normalität vor der Corona-Krise zurück. „Endlich wieder raus und in ein Restaurant gehen zu können. Oder einen Kaffee in der Stadt zu trinken, ohne dass ich mir Gedanken machen muss“, blickt der Fußballprofi wehmütig zurück.

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6 Kommentare

  1. Habe mich damals schon immer gefreut wenn Leverkusen ihn aufstellte. Da hatte man das Gefühl „heute geht was gegen die“. Ähnlich wie bei Aogo auf Schalke. Nach wie vor nicht zu verstehen so viel Geld für so einen Spieler in die Hand zu nehmen. Für die Hälfte kann man einen anständigen Back up wie Kohr holen, für 9mio nicht, wenn man nicht Bayern, BVB heisst oder keinen Investor hat. Kein wirklich schlechter Spieler, aber schlichtweg zu teuer.

  2. Ich sehe Kohr nicht so kritisch. Bin davon überzeugt daß er noch richtig ankommen wird.
    Auch bin ich der Meinung, daß man die Ablöse nicht allzu sehr in die Beurteilung des/der Spieler mit einfließen lassen sollte. Klar, man wiegt Ablöse und erbrachte Leistungen ab. Aber was sind heute (leider) 9 Mio!? Dazu muss man wohl nicht viel sagen.
    Und ich bin mir sicher. An den Ablösesummen wird auch Corona langfristig nichts ändern.

    Euch allen Gesundheit!

  3. Wir sollten allen Zugängen das eine Jahr geben – wir haben gesehen, wie manche in der Leistung explodiert sind.

  4. @2
    bin bei dir, dass 9mio heutzutage, vor allem im internationalen Vergleich, keine große Summe ist. Wir müssen aber auf uns gucken und sie mit anderen Transferausgaben der SGE vergleichen. Für uns war das zum damaligen Zeitpunkt (trotz der Verkäufe) eben nicht wenig Geld. Wenn man die drei besten Stürner verliert, dann sollte man die „großen“ Summen evtl auch im Sturm investieren. Ich verstehe nicht wieso wir für solche Beträge (5-10mio) nicht wieder (wie bei Haller und Ndicka) junge, talentierte Spieler mit Wertsteigerungspotential (durch gutes Scouting) holen. Stattdessen fertige Spieler, bei denen man hofft, dass sie 2-3 Jahre funktionieren ohne (aufgrund ihres Alters) anschließend teuer verkauft werden zu können. Daher fand ich den Sow Transfer vom Prinzip auch viel besser, allerdings wurde der nicht gescoutet, sondern war Adis Wunsch. Es spricht sehr viel dafür, dass sich in unserer Scoutingabteilung letzten Sommer etwas verändert hat, da wir eine völlig andere Strategie gefahren sind als in den 2 Jahren zuvor. Ob das an RB Zugangsdaten lag, Pech war oder einen ganz anderen Grund hatte, ist Spekulation. Irgendeinen Grund wird es aber geben.

  5. Transfers und Zielrichtung hängen in allen Clubs (selbst bei einer starken sportlichen Führung), auch bei den ganz großen, wesentlich auch mit den Vorstellungen und Wünschen des Trainers zusammen und erinnere mich noch sehr genau an die Worte von AH im August : ich bin mit dem Kader sehr zufrieden !
    AH ist bei Red Bull gegangen, weil er „nicht nur“ Ausbildungstrainer sein wollte und ganz bestimmt hat er diesen Anspruch auch hier nicht aufgegeben. Deshalb wahrscheinlich auch die langen Laufzeiten vieler Verträge und das höhere Alter der Spieler. Das wahrscheinliche Ziel, sich dauerhaft im Bereich EL-Plätze festzusetzen ist bisher nicht erreicht.
    Wir erleben seit FB, dass er stetig Analysen vorantreibt und sehr Entscheidungs- und Veränderungsfreudig ist. Ich kann mir schon vorstellen, dass FB auch nach dieser Saison „manchen Stein umdrehen“ wird, nicht alles muss und soll die Öffentlichkeit mitbekommen.
    Forza SGE !

  6. Kohr ist wohl momentan im Preis/Leistungs-Verhältnis bisher als wohl schwächster Bobic-Zugang einzustufen.
    Als Upgrade zu Fernández auf der 6 war das im ersten Jahr doch etwas enttäuschend, ich habe aber Hoffnung, denn im 4-3-3 ist Rode/Sow unsere Zukunft auf der 8er Position.

    Zufrieden bin ich aber immer noch mit der Transferpolitik im Sommer. Wir haben einen breiten Kader ohne große Schwächen. Das wohl größte Problem, sowohl zu diesem Zeitpunkt, als auch in der Retrospektive ist wohl der Abgang von Rebic. Ich denke in der Saisonplanung haben sowohl Adi als auch Fredi nicht mit diesem Last-Minute-Abgang gerechnet. Das hat zu mehreren Schwächen in unserem Spiel geführt:

    1. Starker Linksfokus auf Kostic, da Rechts einfach kein 1gg1-Spieler dieser Qualität vorhanden ist.
    2. Wenn man mit 2 Stürmern gespielt hat, musste man mit 2 Strafraumstürmern spielen.
    3. Ohne Kostic fehlte es an Konterstärke. Das führte dazu, dass dieser oft die Defensive zu sehr vernachlässigte, um für Konterangriffe unspielbar zu sein.

    Stellt euch mal vor ihr seid Verteidiger und spielt gegen

    ——-Dost———oder————Dost————
    Kostic——– Rebic Kostic———–Kamada/Chandler

    liest sich irgendwie schon ganz anders:D.

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