Laura Freigang möchte eine faire Chance bekommen. (Foto: IMAGO / Eibner)

Laura Freigang gehört bei Eintracht Frankfurt zu den absoluten Leistungsträgerinnen. Die 24-Jährige erzielte in der laufenden Saison sieben Tore in 15 Partien und auch ihre Gesamtquote kann sich sehen lassen: In 79 Liga-Spielen netzte die Nationalstürmerin 50 Mal.
Nun gab Freigang ein längeres Interview beim Online-Portal „Watson“.

Sportler in der Öffentlichkeit: „Man muss Vorbild sein dürfen!“

Der Krieg in der Ukraine macht selbstredend auch nicht Halt vor den Toren des Profifußballs und auch Freigang zeigte sich schockiert: „Ich glaube, zuallererst erlebt man diese Situation als Mensch. Es ist alles total schrecklich und macht Angst. Andererseits erkennt man auch, über wie viele unwichtige Kleinigkeiten man sich oft im Alltag ärgert. Dennoch versuche ich auch etwas Positives zu sehen. Es ist schon beeindruckend, wie solidarisch gerade auch in Deutschland viele Menschen momentan sind. Das war in den vergangenen Jahren ja nicht immer so.“ Das Sportler und Sportlerinnen sich nicht politisch äußern sollten, hält die treffsichere Stürmerin für Unsinn. „Warum sollte man uns den Mund verbieten? Sport ist Unterhaltung, während ich spiele, stoppe ich ja nicht, um irgendein Schild hochzuhalten. Aber nach dem Spiel oder in den sozialen Netzwerken ist es doch eine Riesenchance, wenn Sportler sich positionieren. Man sagt so oft, dass Sportler Vorbilder seien. Dann muss man es auch sein dürfen.“ Dass man die russischen Sportler von etlichen internationalen Wettbewerben ausgeschlossen hat, findet Freigang richtig. Dabei gehe es um mehr als den Sport. „Ich fühle als Sportlerin mit den Russinnen und Russen, die sind nur die Leidtragenden und wollen keinen Krieg, sondern auch nur ihrem Sport nachgehen. Aber darum geht es in der aktuellen Welt eben nicht mehr.“

„Gebt uns eine Chance!“

Frauenfußball ist verglichen mit den Männern immer noch klein. Ein Faktor, an dem auch Laura Freigang nichts ändern kann. Davon lässt sich die 24-Jährige aber nicht unterkriegen: „Für mich zählt, was die Menschen sagen, die vielleicht das erste Mal bei uns waren. Natürlich ist’s eine andere Atmosphäre bei uns, das kannst du nicht vergleichen mit einem ausverkauften Heimspiel der Herren-Eintracht. Ich höre ganz oft, dass die Besucher überrascht sind und mir danach erzählen, dass sie den ehrlichen Sport schätzen. Am Ende ist doch die Frage: War es unterhaltsam oder nicht?“ Ihre einzige Hoffnung sei, dass man den Frauen auf dem Platz eine Chance gebe. Darin, dass der Männerfußball viel größer als der Frauenfußball ist, sieht Freigang aber auch eine Chance für die Frauen: „Ich glaube, man kann sich mit uns identifizieren. Wir sind nicht so abgespalten von der Gesellschaft, wie es vielleicht der Männerfußball in vielerlei Hinsicht einfach ist, auch aufgrund des Geldes.“ Dass die Frauen der Deutschen Nationalmannschaft nicht das gleiche Gehalt vom DFB erhalten wie die Männer, kann sie derweil aber nicht nachvollziehen. „Dass wir Frauen in den Klubs nicht das Gleiche verdienen können wie die Männer, das ist ja nur logisch – die Vereine müssen sich refinanzieren. In der Nationalmannschaft wäre das möglich. Wenn der DFB dieses Signal aber nicht setzen will, dann ist es eben so. Auch wenn es in anderen Ländern schon geht. Die Sache ist: Die Männer leben ohnehin nicht vom Geld des DFB, deshalb muss ich das nicht nachvollziehen können.“ Dass die Frauen weniger erhalten ist für die Stürmerin nur ein plakatives Signal, dass man sie weniger Ernst nehme. „Ich nehme mir den DFB in meiner Kritik immer ein bisschen heftiger vor, weil ich finde, dass er als gemeinnütziger Verein eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft hat. Und das heißt: Er darf nicht nur fördern, was Ertrag bringt. Ich wünsche mir vom zukünftigen DFB-Präsidenten, dass der Frauenfußball voll mitgenommen wird, gefördert wird. Andere Länder machen es vor.“ Dies sei auch gar nicht utopisch, so Freigang weiter.

Arm seien die Spielerinnen derweil aber nicht. Das Geld reiche nicht, um nach der Karriere direkt in Rente zu gehen, aber genau deshalb studieren auch zahlreiche Profifußballerinnen neben der Karriere. Auch Freigang selbst. „Mich interessiert die Medienarbeit, ich studiere – ich würde gar nicht aufhören wollen zu arbeiten nach der Karriere, ich bin ja auch erst 24. Ich sehe es andersrum: Ich muss nicht darüber nachdenken, als Fußballerin noch arbeiten zu gehen, weil ich Profi sein darf. Das macht mich schon zufrieden.“

Eigene Pläne. glücklich in Frankfurt

Freigang selbst ist sehr glücklich in Frankfurt. Dabei hatte sie ursprünglich ganz andere Pläne: „Ich habe ja erst meinen Vertrag verlängert, ich bin Nationalspielerin. Ich dachte lange Zeit, ich würde den Fußball nutzen wollen, um viel herumzukommen. Mittlerweile habe ich eher das Gefühl, dass ich dort bin, wo ich sein möchte.“ Ein fester Karriereplan bestehe nicht, aber mit der Eintracht in die Champions League zu gelangen, ist ein Wunsch. Am Anfang der Saison kommunizierte die Spielerin das auch, was in der Chefetage der SGE nicht nur auf wohlwollende Ohren gestoßen sein soll. Mittlerweile aber ist man auch dort sehr optimistisch und ehrgeizig.

 

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5 Kommentare

  1. Vielleicht können die Frauen ja malnein Highlightspiel im Waldstadion absolvieren. Wenn Amarican Football dort möglich ist nächstes Jahr, dann sollte es doch einen Weg geben auch die Adlerinen dort spielen zu lassen.
    Wenn dann noch die Ultras kommen (haben ja was nachzuholen aus den letzten 2 Jahren) dann würden die Frauen die gleiche Stimmung und Atmosphäre bekommen, wie die Männer. Wäre doch sicherlich eine tolle Erfahrung für Sie.

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  2. Frauen in der Nationalmannschaft besser zu bezahlen, dafür ggf. dir Männer schlechter, fände ich vollkommen richtig.

    Im Verein geht es halt nicht, da kriegen ja auch die Männer aus verschiedenen Vereinen teils horrende unterschiedliche Gehälter.

    Aber beim DFB: ist ne reine Entscheidung und lässt sich sicher abbilden.

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  3. Sie ist einfach ein kluger Kopf. Das auf Vereinsebene die Refinazierung der Gehälter ein Grund dafür ist, das sind die gleichen Gehälter wie Männer bekommen ist einfach logisch. In der Nationalmannschaft sehe ich es wie sie, da kann der DFB ein Zeichen setzen. Ich erwarte das aber nicht so schnell, dieser Verband ist einfach kaputt. Ich finde es schön, dass sie sich hier sehr wohl fühlt. Es wäre auch klasse, ab und zu ein Spiel der Mädels im Waldstadion zu sehen. Richtig große Kulisse, so wie sie es verdienen..

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  4. Ein starkes Statement von Laura , für sich und für alle Frauen und Mädchen, im Fußball und der gesamten Gesellschaft.
    Sehr kluge und richtige Worte.
    Das könnte auch ein Ansporn sein für Fans , die bisher wenig mit Frauen Fußball anfangen können.
    Jetzt morgen noch ein Sieg gegen Essen
    Forza SGE !

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