Fredi Bobic hat die Kaderplanung zu einem frühen Zeitpunkt weit vorangetrieben.

Der Wechsel von Jonathan de Guzman zu Eintracht Frankfurt nimmt immer konkretere Formen an. Der SSC Neapel hat den Niederländer mit den kanadischen Wurzeln nicht mehr im Kader aufgeführt, die Vorbereitung startete somit ohne den flexibel einsetzbaren Mittelfeldspieler. De Guzman kommt diversen Berichten zufolge ablösefrei aus der Lombardei an den Main und soll für drei Jahre unterschreiben. Eine offizielle Bestätigung steht freilich noch aus. Der 29-Jährige kann im Mittelfeld alle Positionen bekleiden und bringt internationale Erfahrung, 14 Länderspiele und 36 Partien in Europa- und Champions-League, mit. Für die Hessen, die finanziell jeden Schritt genauestens abwägen müssen, wäre solch ein Deal im Paket ein Volltreffer. Erfahrung, Ablösefreiheit und Flexibilität – Trainer Niko Kovac darf sich auf einen Exoten freuen.

Dieser Deal täuscht nicht über die generelle Entwicklung auf dem Transfermarkt hinweg. England, China, der neue Milliarden-TV-Vertrag der Bundesliga – es geht heiß her im Kampf um neue Spieler. Sportvorstand Fredi Bobic erlebte dies zuletzt bei Sebastien Haller. Der Angreifer ist mit sieben Millionen Euro der teuerste Spieler der Vereinsgeschichte – und dies, obwohl er noch keine Minute in einer der ganz großen Ligen spielte. Die „Schnäppchen“ aus BeNeLux, Dänemark, Schweden oder Osteuropa werden immer rarer, schließlich haben auch der FC Utrecht, Bröndby IF oder Rosenborg Trondheim gelesen, wie viel Geld sich im Umlauf befindet. Wer über 100 Millionen Euro für Paul Pogba bezahlt, der hat auch noch die nötigen Mittel, um höhere Summen für die ehemals oft im niedrigen einstelligen Millionenbereich gehandelten Talente zu bezahlen.

Der Kuchen, von dem alle etwas abhaben wollen, ist größer geworden. Die Folge: Selbst für durchschnittliche Fußballspieler werden enorme Summen aufgerufen. „Spieler zu vernünftigen Preisen zu bekommen, ist schwieriger geworden. Es schwirren Summen herum, bei denen man sich manchmal kneifen muss. Aber darüber darf man sich nicht beklagen, sondern muss versuchen, Substanz in seinen Kader zu bekommen“, sagte Bobic gegenüber „sportschau.de“. Mittelmäßige Profis werden immer teurer, vor allem die in der Premier League gezahlten Gehälter übersteigen alle Budgets der Bundesligisten. Selbst Absteiger AFC Sunderland erhält mit 107 Millionen Euro mehr Geld als in Deutschland der Dauermeister FC Bayern München (rund 100 Millionen Euro). „Die Entwicklung ist enorm. Und ich verstehe jeden, dem dabei schwindlig wird und der Schwierigkeiten hat, da noch mitzukommen“, sagte zuletzt Hertha BSC Manager Michael Preetz im „kicker“.

Während einige Klubs wie die Münchener, Borussia Dortmund, RB Leipzig oder der VfL Wolfsburg die Geldbörse etwas praller gefüllt haben, begeben sich die restlichen Klubs in einen Abnutzungskampf. Durch die Aufsteiger VfB Stuttgart und Hannover 96 wird das Feld noch dichter, Hamburger SV Vorstandschef Heribert Bruchhagen prognostizierte am Montag im „kicker“: „Zehn Vereine kämpfen um den Klassenerhalt!“ Der Verdrängungswettbewerb wird heftiger und der Verlauf der Saison noch weniger planbar. Denn nicht nur die Eintracht hat das „Wundertüten-Problem“. Bei einem Großteil der Klubs gilt: Der Blick geht in Richtung Ausland, weit über die Nachbarländer hinaus. Asien, Süd- und Mittelamerika rücken immer stärker in den Fokus, hier wird nach Rohdiamanten gefischt. Der Blick auf 13 Monate Bobic bei Eintracht zeigt: Neben Jesus Vallejo oder Omar Mascarell wurden die wichtigsten Transfers wohl im Hintergrund um den Scout Ben Manga getätigt. Nur mit einem stabilen Netzwerk können sich die Hessen behaupten und etwas schneller da sein, als die unmittelbare Konkurrenz.

Ein weiteres Problem ist die Erlaubnis, den Kader unendlich groß zu gestalten. Teams wie der FC Chelsea oder Manchester City, um nur zwei Beispiele zu nennen, graben alle Talente ab und verleihen diese dann. Entwickeln sich die Spieler gut, wie etwa Vallejo, wird der Akteur zurückgeholt, kurz getestet und womöglich erneut verliehen. Viele Spieler, die nie das Trikot des Stammvereins tragen, werden hin- und hergeschoben. Das Söldnertum wird dadurch befördert und den Akteuren die Chance geraubt, sesshaft zu werden. Klemens Hartenbach, Sportdirektor des SC Freiburg, plädierte in diesem Zusammenhang für eine Kaderobergrenze: „Das läuft derzeit in die falsche Richtung. So gehören ganz viele Talente diesen Klubs – und wir als kleiner Verein können sie, wenn überhaupt, nur unter ungünstigen Bedingungen ausleihen. Da wird es immer schwieriger sich eine gute Substanz aufzubauen.“

Es scheint jedoch nicht so, als könnte die Spirale zurückgedreht werden. Bobic bleibt deshalb auch gewohnt realistisch und prophezeit: „Jetzt geht es in Europa erst richtig los!“

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8 Kommentare

  1. Super Bericht Chris.

    Gerade was den letzten Absatz angeht, wäre die Obergrenze in meinen Augen eine gute Variante, die Schere etwas kleiner zu machen. Habe die obergrenze schon vor drei Jahren angesprochen, bzw. Dass dies ein geeignetes Instrument wäre, und zwar in Verbindung mit Bayer Leverkusen, die das leihmodell, dank prall gefüllter Taschen, über zig Jahre praktizierte.

    Was den Rest angeht, so ist es deutlich schwerer geworden im Kampf um halbwegs bezahlbare Spieler. Konsequenz ist ein größeres Risiko für kleinere Clubs, denn ein teurer Flop kann dem ein oder anderen bereits das Genick brechen.

    Bin gespannt, wie das Puzzle (der Kader) am ende aussehen wird, habe aber vertrauen in Bobic und kovac.

  2. Ist halt die Frage, ob die Talente das dauerhaft mit sich machen lassen, heute hier morgen da, kein rechtes Zugehörigkeitsgefühl, ungewisse Spielpraxis, Weiterentwicklung und Zukunft, aber vermutlich bis dahin viel Gehalt. Mal schauen, wann die ersten die negativen Seiten dieses Modells öffentlich anprangern, und ob das dann das eine oder andere Talent zum Nachdenken bringt.

  3. Die aktuelle Transferlage ist sicher bedenklich, aber da wir eigentlich unseren Kader „fast“ komplett haben, da wir quasi mit Abpfiff in Berlin angefangen haben Leute konkret zu machen sollte man sich als Adler nicht von der Hektik im Transfermarkt anstecken lassen. Wichtig ist das wir unsere Leute zusammenhalten (Otsche, Fabian, etc) während die anderen sich die Spieler hin und her schieben.

    Ob ein Ginter nun beim BVB oder bei BMG spielt, oder ein Phillip nicht mehr beim SCF sondern beim BVB kann uns erst mal egal sein. Gefährlich wird es erst, wenn a) es an unsere Spieler geht oder b) gute Spieler aus anderen Ligen verpflichtet werden. Solange nur eine Verschiebung der Kräfte innerhalb der Liga erfolgt wird die Liga dadurch nicht „schwerer“ als vorher.

    Wenn de Guzman dingfest gemacht ist, sehe ich eigentlich nur noch Handlungsbedarf in der Innenverteidigung. Da wäre ein zweiter Madlung eine Wucht. Anfang 30, Bundesliga erfahren und jemand der Salcedo die ersten Monate vertreten kann aber dann gerne in die zweite Reihe rückt. (So quasi wie Fernandes für Mascarell). Und halt die T-Frage, welche aber eigentlich entspann betrachtet werden kann. In Deutschland gibt es genug taugliche Keeper falls Hradecky gehen sollte.

    Ansonsten ist das auf dem Papier schonmal ein wettkampftauglicher Kader.

    Wir sind überall doppelt besetzt, können variabel spielen udn haben mit Jovic, Haller, Gaicinovic, Stendera, Mascarell, Kamada, Salcedo und Barkok unfassbar viele junge Spieler mit S-11 Potential.

  4. Bobic sagt es wird immer schwerer Spieler zu einen vernünftgen Preis zu bekommen!
    Aber warum verschenken wir schon Jahre unsere guten Spieler??Beispiel Hradecky er Pokert ist soweit auch ok
    Aber der Verein muß sagen du kannst gehen sagen wir mal für 15Mill.Weil (a die ist er nicht Wert ) oder irgendein Club kauft ihn tatsächlich für diese Summe.An Torhüter mangelts in Deutschland nicht egal aus welcher Liga.

  5. Ganz ehrlich, ich hoffe das Bobic mindestens 10 Jahre bei uns bleibt. Seriös, zielstrebig, modern sind Eigenschaften, die zu einem Traditionsverein im 21. Jahrhundert gut passen. Und Bobic bringt das mit.

  6. @gotti es gibt keinen interessenten für torwart H. Er will nächstes jahr ablösefrei gehen. M. E. Wird er sich verpokern. Zwar viel geld einstecken, aber kaum noch spielen. Aufgrund der ausfälle von den ersatztorwatten plädiere ich für eine neue nr. 1 sofort und nicht erst in det Winterpause!

  7. @Adler aus Hamburg
    Wenn Fernandez gesund bleibt, hat mascarell keine Chance mehr, oder es spielen beide.

  8. Wenn der einzigste Interessent für Hrady „Juventus Turin“ heißt, dann finde ich die Ausgangslage für ihn sehr dünn für solch ein Vertragspoker. Ja. es ist sein gutes Recht den Vertrag solange auszuverhandeln bis es passt und sich nach Alternativen umzusehen. Im Grunde hat er einen Vertrag bis 2018 an den er sich ersteinmal halten muß. Dennoch finde ich die Situation um Hrady alles andere als in Ordnung.
    Bin gespannt wie es weitergeht.

    @grantler
    Es spielen Beide!

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