Die Eintracht krönt ihren Erfolg in der Champions-League mit einem wichtigen Auswärtssieg gegen den VfB Stuttgart. Mit viel Rückenwind geht es nun in die verdiente Länderspielpause, die Trainer Oliver Glasner intensiv nutzen möchte. (Bild: imago images / Jan Huebner)

Nach dem ersten Champions-League-Sieg der Vereinsgeschichte unter der Woche, der nicht nur wegen der Reisestrapazen, sondern auch vom Spielverlauf her sehr viel Kraft gekostet hat, ging es für die Eintracht im letzten Liga-Spiel vor der Länderspielpause darum noch einmal alles rauszuholen, um den Anschluss an die oberen Tabellenplätze zu halten. Während es nach magischen europäischen Nächten oftmals eher schlecht lief, war die Mannschaft dieses Mal von der ersten Sekunde an voll da und belohnte sich mit einem 3:1-Auswärtssieg. SGE4EVER.de hat das Spiel wie immer noch einmal analysiert:

Hohe Laufbereitschaft trotz Englischer Woche

SGE-Trainer Oliver Glasner monierte nach dem letzten Bundesliga-Spiel gegen den VfL Wolfsburg völlig zurecht, dass die Mannschaft nicht bereit war, die Wege zu gehen, die mit schweren Beinen eben auch einmal weh tun können. Viel Ballbesitz, viele Pässe quer und zurück und im letzten Drittel deutlich zu wenig Bewegung. Wer dachte, dass Glasner dies vor allem durch frische Kräfte ändern wollte, sah sich getäuscht, denn der Frankfurter Coach veränderte sein Team nur auf einer Position. Für den erkrankten Jesper Lindström kam Sebastian Rode zurück in die Mannschaft und Daichi Kamada konnte wieder eine Position nach vorne rücken. Trotz nahezu gleichem Personal präsentierten sich die Hessen jedoch ab der ersten Sekunde in einer völlig anderen Verfassung. Große Laufbereitschaft, kompaktes Verteidigen, jeder kämpfte für den Mitspieler und brenzlige Situationen konnten zur Not auch mal im Kollektiv gelöst werden. Jeder war bereit für die Fehler des anderen gerade zu stehen und den Extra-Meter zu gehen. So liefen die Adlerträger am Ende der Partie ganze sechs Kilometer mehr als der vermeintlich ausgeruhte Gegner. Ein echter Kraftakt, der mit dem nötigen Willen aber möglich war und der sogleich mit einem Auswärtssieg in einer eng getakteten Woche belohnt wurde. Auch Mario Götze, bei dem viele bei der Bekanntgabe seines Wechsels zu den Hessen an der Fitness zweifelten, zeigt nun im regelmäßigen Rhythmus, dass er in der Lage ist, auch im 3-Tages-Rhythmus das laufintensive Spiel der Frankfurter mitzuspielen. In der Bundesliga ist Götze mit 17,21 gerannten Kilometern sogar einsamer Spitzenreiter. Grischa Prömel von der TSG 1899 Hoffenheim ist mit 15,67 Kilometern auf dem zweiten Platz. Djibril Sow, der gefühlt der laufstärkste Akteur der Eintracht ist, liegt in dieser Statistik mit 15,21 gerannten Kilometern auf dem vierten Platz. Glasner wusste in der Pressekonferenz vor dem Spiel in Stuttgart selbst nicht so wirklich, ob seine Mannschaft wirklich in der Lage sein kann, in diesem engen Rhythmus das auf den Platz zu bringen, was er sich von seinem Team erwartet. Die Adlerträger haben die Frage auf dem Platz beantwortet und bewiesen, dass sie immer dann, wenn sie an ihre eigenen Grenzen gehen, der Wille, die Laufbereitschaft da ist, jeden Gegner schlagen können.

Ausgerechnet Standard-Situationen

Die SGE ist mit einer unfassbar schwachen Standard-Bilanz in die Saison gestartet. Während man in der Offensive viel zu harmlos war bei eigenen Standardsituationen, konnte der Gegner regelmäßig durch eben solche zum Torerfolg gelangen. Gegen den VfB Stuttgart sollte sich das Blatt nun endgültig wenden. Bereits in der Anfangsphase der Partie konnte Rode den Nachschuss eines Freistoßes von Kamada zur Führung einköpfen. Auch der zweite Treffer gelang durch einen Freistoß. Dieses Mal wurde der Freistoß von Kamada abgefälscht und fand so den direkten Weg zum 2:0 ins Tor. Nach dem Anschlusstreffer der Stuttgarter kurz vor Schluss, sollte ein weiterer Standard die endgültige Entscheidung bringen. Kristijan Jakic war nach einem Eckball von wieder einmal Kamada mit dem Kopf zur Stelle und vollendete zum 3:1-Endstand. Was auch immer Glasner getan hat, die Frankfurter haben in Bezug auf Standardsituationen einen großen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Gerade wenn die Beine müde sind, man eine harte Woche hinter sich hat und die letzte Konsequenz aus dem Spiel heraus fehlt, genau dann sind solche Standardsituationen gold wert. Kamada hat sich mit seinen Standards in jedem Fall empfohlen, auch die zukünftigen Standards zu treten. Der Japaner ist ohnehin in einer bestechenden Form. Vier Tore und vier Assists steuerte er in der Liga inzwischen schon bei. Aber nicht nur daran sollte man den Mittelfeldspieler messen. Er arbeitet inzwischen sehr viel mit nach hinten, geht weite Wege (knapp 11,5 Kilometer gegen Stuttgart) und ist als Anspielstation für den Frankfurter Spielaufbau unverzichtbar.

Hasebe bringt der Defensive erneut Stabilität

Vor dem Spiel stellte sich die Frage, ob Makoto Hasebe, der unter der Woche in der Champions-League eine herausragende Partie machte, auch die Kraft haben könnte, gegen Stuttgart wieder aufzulaufen. Wer den Japaner kennt weiß, dass er ein absolutes Vorbild und trotz seiner 38 Jahre topfit ist. So entschied sich auch Glasner dafür den alten „Hasen“ erneut auf die Liberoposition zu stellen. Genau wie gegen Olympique Marseille konnte Hasebe mit all seiner Erfahrung den beiden jungen Spielern an seiner Seite (Tuta und Evan N´Dicka) viel Stabilität geben. Wenn man den Japaner beobachtet sieht man, wie er fast wie eine Art Spielertrainer seine Neben- und Vorderleute dirigiert. Immer wieder gibt er Anweisungen und erkennt Situationen mit seiner enorm hohen Spielintelligenz sehr viel früher, als viele andere Spieler. So konnte Stuttgart eigentlich kaum gefährlich vor das Tor von Kevin Trapp gelangen. Auch Rode tat dem Team mit all seiner Erfahrung auf Anhieb wieder enorm gut. Es wird in jedem Fall spannend wie Glasner nach der Länderspielpause aufstellt. Bleibt er nun bei dem erneut extrem gut funktionierenden Konstrukt mit Hasebe in der Dreierkette oder stellt er mit der Rückkehr von Luca Pellegrini wieder auf Viererkette um? Zumindest gibt es nun mehrere Optionen, was bereits ein großer Fortschritt im Vergleich zur vergangenen Saison ist. Mit der frühen Führung im Rücken spielten es die Frankfurter clever aus. Einzig eine frühere Vorentscheidung hätte dem Spiel  noch gut getan. Die Hessen hatten die Möglichkeiten dazu, scheiterten aber im Abschluss oder durch knappe Abseitsstellung wie beim Treffer von Kamada. Die nun bevorstehende Pause kommt in jedem Fall zur rechten Zeit. Glasner und sein Trainerteam haben nun die Möglichkeit Spieler wie Pellegrini oder Junior Dina Ebimbe auch körperlich fit zu bekommen. Dies wird auch extrem wichtig sein, denn nach der kurzen Pause steht den Frankfurtern ein enger Terminkalender bevor. Mit elf Punkten in der Liga ist man nun endgültig zurück im oberen Tabellendrittel und hat noch alle Möglichkeiten in allen drei Wettbewerben voll anzugreifen.

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5 Kommentare

  1. 2 Punkte hinter CL Platz, 1 Punkt hinter Bayern. Trotz VAR Pech. Skurriler Saisonstart.

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  2. Super Artikel! Rund um die Eintracht war es die letzten Wochen sehr unruhig und damit meine ich nicht nur die Böller und Raketen. In so einer Phase intern ruhig zu bleiben und gleichzeitig sich auch noch zu stabilisieren und besser zu werden ist eine wahnsinns Leistung! Das ist in diesem Geschäft nicht selbstverständlich und spricht für einen guten Zusammenhalt und professionelle Kommunikation!

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  3. Laura, das mit den Laufleistungen verstehe ich nicht. Laut Kicker hat Götze (bis zur Auswechselung) 9,53 km gemacht, in allen Spielen 77,2 km damit weniger als Sow. Was meist du damit?

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  4. @3: Es geht um die Kilometer, die die Spieler in dieser Saison GERANNT sind. Nicht die „normale“ Laufleistung. Das heißt im hohen Tempo / Sprint. Da ist Götze Spitzenreiter.

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