03.05.2014, Fussball, 1. BL, Eintracht Frankfurt - Bayer LeverkusenEigentlich hatte sich Armin Veh nach seinem freiwilligen Abgang aus Stuttgart auf eine längere Pause eingestellt. Doch dann ging es im Mai ganz schnell. Thomas Schaaf trat zurück – und wenige Wochen später stand der neue, alte Coach wieder auf der Matte bei Eintracht Frankfurt. Die Erinnerung an die Jahre 2011 bis 2014 sind noch immer frisch, der 54jährige denkt auch im Interview mit Sport1 wieder gerne zurück: „Ich war drei Jahre in Frankfurt und das war eine sehr schöne und anspruchsvolle Zeit.“ Allerdings, so schränkt der Hundeliebhaber ein, sei diese Zeit eine gewesen,“die sehr viel Energie gekostet hat.“ Aufstieg, Einzug in das internationale Geschäft und dann ein tolles Jahr mit Europa-League-Erfahrungen – es ging rasant nach oben für die Hessen, die nach der „Rückrunde der Schande 2011“ noch am Boden lagen. Die Trennung nach diesen drei erfolgreichen, aber auch intensiven Jahren, sei folgerichtig gewesen, findet Veh: „Es wäre das vierte Jahr gewesen und normalerweise ist die Haltbarkeit eines Trainers bei einem Klub nicht so lange. Die Spieler wollen nicht immer das gleiche hören, aber du kannst dich auch nicht völlig verändern.“

Jetzt möchte der gebürtige Augsburger wieder den Neustart wagen bei „seiner“ Eintracht. Nicht nur einmal wurde berichtet, dass Veh im Oktober gemerkt habe, wie viel ihm an dem Club liege. Mit den Stuttgartern gewann er 5:4 – doch die kurze Rückkehr in den Stadtwald muss ihn unglaublich augewühlt haben. Ob der Rücktritt aus dem Schwabenland eine Folge davon war, bleibt wohl ein großes Geheimnis. Im letzten halben Jahr konnte der Lokomotivführer, wie Veh sich gerne bezeichnet, den Akku wieder auffüllen und mit neuer Kraft an die spannende Aufgabe in Frankfurt herangehen. Allerdings wird dem ehemaligen Bundesligaprofi, der sein großes Talent nie vollständig ausschöpfte, ein Satz immer wieder um die Ohren gehauen: „Ich möchte nicht mehr so oft dem gegnerischen Trainer zum Sieg gratulieren.“ Die Schadenfreude beim Anhang der Hessen war groß, als die Schwaben wöchentlich verloren und einfach nicht ins Rollen kamen. Doch Veh, der die Lage bei seinen Arbeitgebern immer wieder realistisch einzuschätzen versucht, sah sich damals am Ende angekommen bei der Eintracht. Der Etat von 30 Millionen Euro gab nicht viel her: „Durch den Einzug in die Europa League war es schwer, mit diesem Etat neue Überraschungen zu schaffen.“ Die Ausgangsposition habe sich jetzt allerdings durchaus verändert, „auch wenn es nur rund sieben Millionen mehr sind.“ 37 Millionen Euro? Oder doch 40 Millionen Euro? Mit welchem Etat die Frankfurter planen können, ist aktuell anscheinend noch nicht sicher.

Für Veh aber scheinen sich die Perspektiven am Main deutlich verbessert zu haben. Und die Macher im Verein stehen hinter dem Coach, der laut Sport-Bild-Ausgabe der letzten Woche über viel Macht verfügen soll. Der Rückkehrer aber schränkt ein: „Wer sagt das? Ich sehe es so: Fußball ist immer Teamwork. Es wird nicht funktionieren, wenn nur einer das Sagen hat. Wichtig ist, dass Vertrauen da ist und das ist bei uns gegeben. Es geht mir nicht um Macht, das Team ist mir wichtig.“ Zu dem bis Juni 2016 auch noch Heribert Bruchhagen gehören wird. Es ist ein besonderes Verhältnis, dass die beiden miteinander pflegen. Auf der einen Seite der offensive, impulsive Veh, der am liebsten jeden Wunsch sofort erfüllt bekommen hätte – auf der anderen Seite der konservative, als sparsam geltende Vorstandsvorsitzende, der einem deutlich das Stopp-Schild vor hält, wenn zu viel geträumt und gewünscht wird. Die gemeinsamen drei Jahre haben die beiden „Querköpfe“ aber zusammenwachsen lassen: „Ich empfinde da schon so etwas wie Freundschaft. Wir haben Gemeinsamkeiten und daher ist da von meiner Seite etwas entstanden. Wir werden auch intern mal streiten, wissen aber, dass wir uns vertrauen können. Das ist sehr schön.

Bild: twitter.com/Eintracht_News/
Bild: twitter.com/Eintracht_News/

Ja, es war ein vertrautes Bild, dass Sportdirektor Bruno Hübner, Veh und Bruchhagen abgaben, als der Vertrag unterschrieben war. Nichts war mehr zu sehen von dem Stress, den der Rücktritt von Schaaf im Verein ausgelöst hatte. Natürlich wird der erfahrene Coach seine Skeptiker nicht sofort wieder zum Schweigen bringen. „Ich bin nicht dafür da, dass ich es jedem recht mache. Ich will authentisch sein„, ist das Motto des Trainers. Der bayrische Schwabe weiß aber auch, dass er schnell Erfolg braucht, damit es ruhig bleibt im Stadtwald. Die Zielsetzung ist deshalb betont defensiv: „Es wird wieder alles sehr eng beisammen sein. Wir haben keine andere Ausgangsposition als es im letzten Jahr der Fall war, nämlich nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Ich bin nicht so dumm und sage, dass wir in die Europa League kommen.“ Träumen dürfe natürlich erlaubt sein und auch der Blick dürfe in Richtung Überraschungsmannschaft FC Augsburg, die vergangene Spielzeit auf Platz 5 in die Europa-League eingezogen sind, gerichtet werden. Veh aber warnt vor unrealistischen Erwartungshaltungen: „Es gibt auch Klubs, die mit einem höheren Budget gegen den Abstieg gespielt haben. Man muss realistisch sein und sich in der Liga auskennen.“ Das tut er – der Mann, der bereits in Rostock, Stuttgart, Wolfsburg, Hamburg und eben Frankfurt in der Bundesliga Erfahrung sammeln durfte. Auch dies war ein gewichtiger Grund, in Deutschland zu bleiben: „Es gab schon Angebote aus dem Ausland, man muss aber genau abwägen. Ich komme in meiner Arbeit über die Sprache und dann ist es im Ausland nicht so einfach.“

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3 Kommentare

  1. Wunderbar -.-
    ANSTATT vom Europa Leaque oder so zu sprechen !!!

    dann können wir ja auch davon (EL etc.) und mehr… weiter träumen .+*

    GuteNacht!

  2. Ist doch das Gleiche wie immer:

    Verlautbart man ambitionierte Ziele, spotten die einen über Europapokalträumer.

    Nennt man nur den sicheren Klassenerhalt als Ziel, ist es den anderen nicht gut genug.

    Ach, dann gibt’s ja noch die dritten; Was heißt denn ‚GuteNacht!‘, Abstieg?

  3. @ Christopher:
    „Allerdings, so schränkt der Hundelieber ein,…“
    Ich glaube Du meintest „Hundeliebhaber“… Das andere ist wohl eher nicht gemeint… ;-P

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