Clemens Thamm hat 1.312 Spiele der SGE gesehen. (Foto: privat)

612 Spiele hat Rekord-Bundesligaspieler Charly Körbel für Eintracht Frankfurt gemacht. Mehr als doppelt so viele hat Clemens Thamm auf dem Buckel. Als Zuschauer wohlgemerkt. Unglaubliche 1.312 Spiele hat der Eintracht-Fan live im Stadion gesehen. Alle hat er feinsäuberlich festgehalten in seiner persönlichen Excel-Statistik. „Ich habe sechs Jahre dafür gebraucht“, erzählt der Griesheimer.

Sein erstes Spiel im Waldstadion: das legendäre 6:0 gegen Bayern München 1976. Bernd Nickel verwandelte gegen Sepp Maier einen Eckstoß direkt. „Ich weiß heute noch, von welcher Ecke. Ein unglaubliches Erlebnis.“ Ende der 80er Jahre wird der gebürtige Bockenheimer dann endgültig vom Eintracht-Fieber gepackt. Unvergessen für ihn der Pokalsieg 1988. Mit sechs, sieben Bussen ging es nach Berlin, erinnert sich der Gründer und Vorsitzende des EFC Schwarz-Weiß Darmstadt. Vor der Grenze zur DDR sollten die Tickets verteilt werden. „Doch plötzlich waren die anderen Busse alle weg, ohne Tickets ging es nach Berlin“, berichtet der heute 55-Jährige. Auf dem Vorplatz des Olympiastadions sprach ein DFB-Funktionär den ticketlosen Eintracht-Fan an und rettete ihm und seinem Kumpel das Pokalfinale im Stadion. „Er hat uns die Karten für 20 statt 50 Mark überlassen.“ Im Stadion angekommen die Überraschung. „Wir saßen zwei Reihen neben der Pokalübergabe, haben nach dem Sieg mit allen Spielern abgeklatscht. Zeugwart Anton Hübler kam zu mir und sagte noch: Clemens, was machst du denn hier?‘“

Mit 20 Fans nach Dnipropetrowsk

Es sollte nicht die letzte Reise nach Berlin mit den Adlern bleiben. „Ich war seit 1981 bei allen DFB-Pokalfinals dabei“, erzählt er stolz. Aber es sind eben nicht nur die großen Spiele der SGE, die Clemens Thamm gesehen hat. Er fuhr für ein Freundschaftsspiel der Eintracht bis nach Flensburg – und das an einem Sonntagabend. Oder er schaute sich trostlose Testspiel-Niederlagen gegen unterklassige Gegner wie Viernheim oder Bad Homburg an. „Ein Freundschaftsspiel zählt in meiner Statistik genauso wie ein Bundesligaspiel“, erzählt er im Gespräch mit SGE4EVER.de. Sein höchster Eintracht-Sieg war dann auch bei einem Freundschaftskick. Ein 19:1 gegen den TSV Eschollbrücken.

Clemens Thamm im heimischen Waldstadion.

In den 90ern fuhr Thamm regelmäßig zu den Auswärtsspielen – als einer von wenigen. „Wir waren damals mit 100 Mann in Hamburg, mit höchstens 75 Leuten freitagabends in Bremen. Auswärtsfahren war nicht so angesagt wie heute“, erzählt er. Mit 2000 Fans in die Ukraine – damals nicht vorstellbar. „Ich war einer von 20 Fans, die 1993 im UEFA-Cup nach Dnipropetrowsk geflogen sind.“ Im Flieger mit der Mannschaft ging es Richtung Osten. Ein besonderes Erlebnis: „Damals haben wir zum ersten Mal nach dem Ende der Sowjetunion gesehen, wie es im Osten wirklich ist.“ Rainer Falkenhain spendierte den Fans sogar ein Essen – samt Spende für reichlich Krimsekt. In den 90ern nahm Thamm fast alle internationalen Auswärtsspielen der Adler mit. „Nur in Neapel und Bukarest war ich nicht“, sagt er. Auch die Stadionhefte seiner Besuche der Adler hat er über Jahre gesammelt.

Thamm bleibt optimistisch

Wer so viel Eintracht-Triumphe und Leid gesehen hat wie der 55-Jährige, den haut die aktuelle Krise nicht um. „Mein schlimmstes Spiel war ein 0:6 gegen den HSV. Damals hat die Mannschaft gegen Jörg Berger, einen hervorragender Trainer, gespielt.“ Die aktuelle Situation schätzt er angesichts solcher Erfahrungen nicht allzu dramatisch ein. „Ich denke es wird am Ende eine ganz normale Saison. Wir landen im Mittelfeld. Aber es ist jammerschade, dass wir die Chance verpasst haben, uns oben festzusetzen.“ Vor allem auf Evan N’Dicka setzt er große Hoffnungen. „Er ist ein Riesenspieler“, sagt Thamm und hofft, dass der Franzose der Eintracht ähnlich lange erhalten bleibt wie Oka Nikolov. „Oka ist für mich der Inbegriff einer Eintracht-Legende.“ 

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7 Kommentare

  1. Tja, früher konnte man sich auch bei Heimspielen spontan zum Stadionbesuch entscheiden, einfach anreisen und an der Kasse Karte kaufen (außer gegen Bayern und vlt. Kaiserslautern). Hat alles Vor- und Nachteile. Es wurde sich auch nur mit Fäusten gekloppt. Die berittene Polizei hat dazu auf dem Waldparkplatz einfach einen großen Kreis gebildet, damit „normale“ Fans nicht in Mitleidenschaft kamen, und hat nur eingegriffen, wenn einer auf dem Boden lag und der/die anderen nicht abgelassen haben.

  2. ging das spiel nicht sogar 1-20 aus gegen eschollbrücken? ich wohne da 3km von weg war meine erste „auswärtsbegegnung“ mit der eintracht

  3. 82 Tage habe ich im Stadion verbracht, nein 96 ich bin in der Halbzeit immer dageblieben 🙂

    und die Anreisen waren dann ca. 256 Tage 🙂

    bis Ende März werden es 1.320 Spiele

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