Pirmin Schwegler denkt gerne an seine Zeit bei der Eintracht zurück und würde eine Rückkehr nach der aktiven Karriere begrüßen.

Wenn Hannover 96 am Samstag (15:30 Uhr) in der HDI-Arena auf Eintracht Frankfurt trifft, ist es für Pirmin Schwegler alles andere als ein Spiel wie jedes andere. Fünf Jahre (2009-2014) trug er das Trikot mit dem Adler auf der Brust, blieb als Kapitän nach dem Abstieg 2011 an Bord und schaffte nach dem direkten Wiederaufstieg die Europa League-Qualifikation mit seinem Team. Außerdem lernte er in seiner Zeit bei den Hessen seine Frau Fayza kennen. SGE4EVER.de hat die Gelegenheit genutzt und mit dem ehemaligen Spielführer der Eintracht gesprochen.

Schweger glaubt an neuformierte Eintracht – Das Schicksal von Russ hat ihn „sehr berührt“

Gut gelaunt präsentierte sich der Schweizer beim Gespräch und freute sich, mal wieder mit der Frankfurter Presse zu plaudern: „Es sind glaub ich mehr Journalisten geblieben, als Spieler“, merkte Schwegler mit einem Schmunzeln an, dass sich seit seinem Weggang 2014 doch einiges geändert hat in und um das Team herum: „Da ist vieles neu zusammengestellt. Aber man sieht schon, dass da Typen dabei sind und dass es schwierig ist gegen die Eintracht zu spielen.“ Eine genaue Prognose für diese Saison möchte er aus der Ferne nicht treffen, aber optimistisch ist er dennoch: „Es kann wieder so eine gute Runde sein, wie die Hinrunde im letzten Jahr. Das traue ich ihnen absolut zu.“

Aus dem aktuellen Kader kennt er nur noch Marc Stendera, Alex Meier und Marco Russ. Zu den dreien habe er auch noch sporadisch Kontakt. Gerade die Erkrankung von letzterem habe ihn im letzten Jahr beschäftigt. Ob er dafür nicht zu weit weg gewesen sei? „Definitiv nicht. Das hat mich natürlich sehr berührt. Wir haben da beide einiges mitgemacht mit unseren Krankheiten. Ich habe natürlich mit ihm gesprochen.“ Schwegler selbst war als kleines Kind an Leukämie erkrankt, seine Geschichte arbeitete er bereits in einem Dokumentationsfilm auf. Erst seit 2003 gilt der Schweizer als geheilt. In Bezug auf Russ ergänzt er allerdings, dass er kein Freund davon sei, alibimäßig etwas heraufzubeschwören, wenn man sonst nicht auch eine tiefe Freundschaft pflegt: „Ich habe versucht ihn zu unterstützen, aber er hat auch Familie und engere Freunde, die ihm in der Zeit extrem wichtig waren.“

Der ehemalige Kapitän und der aktuelle Vize: Pirmin Schwegler (l.) und Marco Russ.

Rückkehr zur SGE kein großes Thema – Trauer über geplatzte Verlängerung

Kontakt pflegt Schwegler allerdings vor allem zu den Männern um das Team herum. Gerade Wolfgang Steubing, Aufsichtsratsvorsitzender der Eintracht, gilt als einer seiner Befürworter: „Mehr Kontakt habe ich mit einigen Verantwortlichen. Da ist zu dem ein oder anderen eine Freundschaft entstanden. Auch zu Herrn Steubing“, lässt der 30-Jährige durchblicken. Steubing soll auch einer gewesen sein, der immer wieder eine Rückkehr des ehemaligen Schweizer Nationalspielers angestoßen haben soll. Vor allem im vergangenen Winter soll das in internen Kreisen ein Thema gewesen sein. Schwegler nimmt allerdings etwas Dampf aus der Sache: „Es war gar nicht so groß ein Thema. Zu einigen Personen ist der Kontakt immer da, aber da ging es mehr um andere Sachen. Das Thema Rückkehr war dann schnell abgehakt. Auch für mich. Ich bin kein Fan von Rückkehraktionen. Um das klarzustellen: Das war in den letzten Jahren nicht so meine Intention.“

Deutlich größer wäre seiner Ansicht nach ein Verbleib 2014 gewesen. Man merkt ihm an, dass ihm die geplatzte Vertragsverlängerung und der anschließende Wechsel nach Hoffenheim noch etwas nachgeht: „Vor 3,5 Jahren wäre es eher möglich gewesen, mich zu behalten. Da war die Möglichkeit tatsächlich da, aber es ging dann irgendwie auseinander“, kann der Mittelfeldspieler nicht ganz verbergen, dass er sehr gerne noch länger am Main geblieben wäre: „Es war eine Entwicklung, die so von statten ging. Im Endeffekt habe ich den Verein über das Interesse aus Hoffenheim informiert, auch bezüglich der Ausstiegsklausel, ich hätte aber liebend gerne verlängert zu dem Zeitpunkt. Das war dann damals aber nicht bei allen erwünscht.“ Im Anschluss musste er eine Entscheidung treffen, die ihm Sicherheit geboten hat, da er nicht mit einem auslaufenden Vertrag in die Saison gehen wollte. Also ging er für etwas mehr als eine Millionen Euro zur TSG.

Erinnerungen an eine „besondere Mannschaft“ – Zurück nach Frankfurt? Nach der aktiven Karriere gerne

Doch die Erinnerungen an Frankfurt sind nach wie vor sehr positiv. Selbst nach seinem Wechsel in den Kraichgau, blieb er der Stadt verbunden, hat Rehamaßnahmen in der Rhein-Main-Metropole absolviert und auch seine Wohnung noch längere Zeit behalten: „Es ist sehr vieles positives hängengeblieben. Es waren fünf ganz, ganz tolle Jahre in Frankfurt. Das war eine besondere Mannschaft. Das muss ich schon einmal sagen, was wir da erreicht haben, nach dem Aufstieg direkt die Europa League-Qualifikation zu schaffen. Wir hatten damals einen ganz besonderen Zusammenhalt und extrem viele Identifikationspersönlichkeiten.“ Etwas, das mancher Anhänger bei der aktuellen Mannschaft bemängelt. Ob es die beste Zeit seiner Karriere war? „In Frankfurt war es definitiv die intensivste Zeit. Da hat man extrem viel mitgenommen und mitgemacht.“ Und etwas ganz Wichtiges ist aus seiner Zeit bei der SGE geblieben: „Meine Frau. Die habe ich aus Frankfurt geklaut“, lacht der 14-fache Nationalspieler.

Jahrelang war Schwegler als Kapitän Sprachrohr der Frankfurter Mannschaft. Eines Teams, wie er selbst sagt, mit besonderem Zusammenhalt.

Schweglers Vergangenheit könnte auch seine Zukunft sein. Angesprochen auf die Zeit nach seiner aktiven Karriere, lässt er durchblicken, dass sein Lebensmittelpunkt langfristig wieder die Bankenstadt sein könnte. Nicht nur sein Stammfriseur, den er noch regelmäßig in Frankfurt besucht spielt dabei eine Rolle: „Meine Frau ist Frankfurterin, meine Zeit dort war extrem schön. Ich habe immer noch viele Freunde dort, aber ich muss natürlich abwarten, was nach der aktiven Karriere so ins Haus flattern wird. Ob da auch eine Zukunft in Frankfurt möglich ist.“ Vorstellen könne er sich das auf jeden Fall. Der Ball liegt dann wohl bei der Eintracht.

Hannover statt Ausland – Am Samstag pausiert das Daumendrücken für die Eintracht

Der Ball wiederum wird auch am Samstag im Mittelpunkt stehen, wenn Schwegler, der sich nach einer kurzen Verletzungspause wieder fit gemeldet hat, mit Hannover auf seinen alten Verein trifft. Bei seiner vorherigen Station in Hoffenheim legte man keinen Wert mehr auf die Dienste des Defensivstrategen. Auch wenn er die Zeit dort nicht missen möchte: „Von Julian Nagelsmann habe ich, obwohl ich nicht jedes Spiel gespielt habe, sehr viel gelernt. Und im Endeffekt auch meinen Teil dazu beigetragen, dass Hoffenheim zum ersten Mal europäisch spielen könnte. Wir sind im Endeffekt gut auseinander gegangen.“ Für die 96er ließ der Führungsspieler nach seinem Ausscheiden bei der TSG die Option Ausland außen vor: „Ich habe mir schon Gedanken gemacht, was der nächste Schritt sein soll. Vielleicht nach Amerika oder nach Australien zu gehen, hatte schon seinen Reiz gehabt.“ Er hat dann aber entschieden, dass seine Mission in der Bundesliga noch nicht vorbei ist: „Ich habe schnell gemerkt, dass ich hier in Deutschland noch nicht fertig bin. So einen Abschluss wollte ich nicht haben. Deshalb war ich glücklich, als das Angebot aus Hannover kam, dass die Gespräche so toll verliefen und die Verantwortlichen mir so viel Verantwortung geschenkt haben.“

Seine Erwartungen für das kommende Spiel sind klar. Als er noch mit der SGE in den Norden fuhr, gab es selten was zu holen: „Das darf am Samstag gerne so weitergehen. Auch wenn ich den Frankfurtern sonst natürlich die Daumen drücke.“ Die Verbundenheit wird am Wochenende für 90 Minuten pausieren müssen. In der Bundesliga geht es schließlich um alles: „Dortmund macht das sehr stark, die haben die Spiele auch mal höher gewonnen. Sonst war in allen Spielen alles drin und möglich. Es wird nichts hergeschenkt“, erwartet er auch gegen die Eintracht eine spannende und hart umkämpfte Partie. Vermutlich mit einigen Umarmungen und Händeschütteln im Anschluss.

 

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