Alex Meier kennt das Gefühl bereits, ein Endspiel im DFB-Pokal bestreiten zu dürfen. Am 29. April 2006 waren er und Marco Russ mit dabei, als die Frankfurter Eintracht auf den FC Bayern München traf und nur knapp mit 0:1 verlor. „Da hat der Oliver Kahn super gegen Ioannis Amanatidis gehalten“, erinnerte sich der 34-Jährige an die Glanztat des bayrischen Schlussmannes kurz vor Schluss zurück. Meier arbeitet derzeit mit Hochdruck daran, elf Jahre später erneut dabei sein zu dürfen, wenn es diesmal gegen Borussia Dortmund um den nationalen Pokal geht: „Das ist natürlich etwas besonderes. Wenn man nicht für die Bayern oder den BVB spielt, erlebt man so ein Endspiel nicht so häufig. Für mich wäre es bereits das zweite Mal, das ich mit der Eintracht dabei sein darf.“ Die mediale Präsenz und die Tatsache, dass Menschen aus mehr als 200 Ländern zusehen macht das ganze Erlebnis zu etwas einmaligem: „Das ist ganz was anderes, als das, was wir wöchentlich in der Bundesliga mitbekommen.“

Meier selbst will am Donnerstag wieder am Mannschaftstraining teilnehmen. Nach den Laufeinheiten mit Reha-Trainer Martin Spohrer blieb er beschwerdefrei. „Alles war gut und es ist sogar noch besser geworden“, deutet er zufrieden auf seine Ferse, an der er sich vor rund zwei Monaten im Training verletzte. „Das kam beim Zweikampftraining“, blickt er kurz zurück: „Ich bin abgestoppt und weiß nicht, ob ich einen Schlag abbekommen habe. Das kam doch sehr plötzlich. Danach waren der Muskel und die Sehne geschädigt, weshalb alles etwas länger gedauert hat.“

Pünktlich zum Großereignis am Saisonende scheinen die Schmerzen endgültig abzuklingen. Langt es sogar für einen Kurzeinsatz in der nächsten Begegnung am Samstag gegen RB Leipzig? „Ich weiß nicht, ob es etwas bringt, wenn ich zehn Minuten mitspiele“, kommt der Torjäger der Eintracht für einen Moment ins Grübeln. Womöglich sei es besser, intensiv zu trainieren und dabei noch etwas Kondition aufzubauen. Außerdem verweist er auf die zuletzt von Trainer Niko Kovac aufgestellte Formel: Die erste Partie nach einer Verletzung ist meistens die beste – also wäre demnach wohl selbst ein Kurzeinsatz gegen RB, für die es um überhaupt nichts mehr bei ihrem Gastspiel im Waldstadion geht, nicht nötig.

Welchen Wert besitzt die Partie gegen den Aufsteiger, der in die Champions League durchmarschierte, tatsächlich? Bastian Oczipka hofft auf eine Vollgas-Veranstaltung der Mannschaft, Meier fordert ebenfalls einen engagierten Auftritt: „Wir müssen im Rhythmus bleiben. Du kannst nicht sagen, dass du mit 50 Prozent spielst, um dich zu schonen. Jeder will sich für das Finale empfehlen. Wir sind den Fans schuldig, uns gut zu präsentieren. Immerhin haben sie uns auch in der Phase voll unterstützt, als es nicht so gut lief.“

Der Kapitän der Hessen, so viel wird bei jedem seiner Sätze deutlich, hat ein genaues Gespür dafür, wie sich die Situation am Main entwickelt hat. Von der Euphorie der Hinserie, „als wir wohl etwas zu gut waren“, ist in der Rückrunde, „wo wir schlechter waren, als wir es eigentlich sind“, nicht mehr viel übrig geblieben. Alles fokussiert sich auf die Partie am 27. Mai, die Bundesligabegegnung gegen Leipzig interessiert den Anhang nur am Rande und wirkt fast wie lästiges Beiwerk. Die Saison, so die Einschätzung von Meier, „war dennoch okay bis gut. Mir war es relativ klar, dass wir die Serie in der Hinserie nicht durchhalten kann. Jedes 50:50-Spiel ist zu unserer Seite gekippt und in der Rückrunde war es genau umgekehrt. Außerdem haben viele Spieler verletzt gefehlt und wir haben nicht mehr so gut Fußball gespielt.“ Die Realität sei eingekehrt, die Überraschung über den Absturz halte sich bei ihm Grenzen, auch wenn „ich nicht mit so vielen Niederlagen gerechnet habe.“

In der Mannschaft kriselt es dennoch nicht, obwohl nach der Partie gegen den 1. FSV Mainz 05 etwas lautere Worte gefallen in der Kabine sind. Meier wisse, wie sich ein solcher Negativlauf anfühle, dennoch sieht er keine Probleme aufkommen und bestätigt: „Die Jungs verstehen sich gut untereinander.“ Das Finale stehe immerhin noch vor der Tür, die Atmosphäre sei daher positiv, auch wenn die Niederlagenserie niemanden zufrieden stimme. Meier stellt dennoch klar: „Wenn du ein Finale vor der Brust hast, dann freust du dich einfach darauf.“ Gegen den BVB sei die Eintracht klarer Außenseiter, „aber wenn wir 100 Prozent geben und die Dortmunder ein bisschen ärgern, ist bestimmt was möglich für uns. Beide Mannschaften sind nervös und es wird bestimmt kein klares Ergebnis geben.“

Dafür würde Meier gerne höchstpersönlich sorgen. Sein hauptsächlicher Fokus lag zwar darauf, „gesund zu werden.“ Allerdings steht über allem das Endspiel in der Hauptstadt. Wenn ein Akteur im Eintracht-Kader Comeback-Qualitäten besitzt, dann ist es der von den Fans zum „Fußballgott“ erhobene Meier. Im Sommer 2015 kehrte er nach monatelanger Verletzungspause zurück und erzielte am 4. Spieltag unter Ex-Coach Armin Veh beim 6:2 gegen den 1. FC Köln einen Dreierpack – und war damit für einen der wenigen Glanzpunkte in der vergangenen Spielzeit verantwortlich. Sollte die Rückkehr gegen den BVB ähnlich ausfallen, könnte dies tatsächlich den ersten Titelgewinn seit 1988 bedeuten. Und für Meier wäre es nach 13 Jahren bei der Eintracht wohl der Höhepunkt seiner Karriere.

- Werbung -

Keine Kommentare

Kommentiere den Artikel

- Werbung -