Kevin-Prince Boateng, Marius Wolf und Aymen Barkok erhielten allesamt ein besonderes Lob von ihrem Trainer. (Foto: imago/Contrast)

Im Berliner Olympiastadion feierte die Frankfurter Eintracht einen Auswärtssieg, der für einige Protagonisten ein ganz besonderer war. Für die Trainer Niko und Robert Kovac und den Siegtorschützen Kevin-Prince Boateng war es drei Punkte in der Heimat. Und auch im Zustandekommen war der Erfolg ein besonderer. Vor dem Spiel wurde das Team noch für ihre uninspirierten Standards kritisiert, prompt folgte eine überragende Eckballvariante zum Torerfolg.

Barkok statt Stendera – starker Standard und Wolfs strammer Schuss

Nach dem Heimspiel gegen Bayer Leverkusen wurden die Stimmen laut, dass ein Marc Stendera sich doch mal häufiger wieder ein Herz fassen sollte bei Standards. Der 22-Jährige war gerade zu Beginn seiner Profikarriere durch präzise ruhende Bälle aufgefallen. Doch vor dem Tor von Marius Wolf war es erneut Jetro Willems, der zur Eckfahne lief. Das war auch dem geschuldet, dass Stendera überhaupt nicht im Kader stand. Keine Entscheidung gegen ihn, sondern eine für Aymen Barkok, wie Kovac nach dem Schlusspfiff erklärte: „Das waren taktische Gründe. Natürlich brauchten wir Länge und in dem Fall auch Schnelligkeit. Da hat sich Aymen angeboten.“ Und auf Grund der ungewissen Lage bei Makoto Hasebe habe man Gelson Fernandes als Back-Up mitgenommen. Für Kovac kein Problem: „Es ist Gott sei Dank so, dass wir viele Spieler haben. Es ist schon merkwürdig, wenn einer vom Platz auf der Tribüne landet.“ Oder auch nicht, wie er selbst betont. Unter Hitzfeld bei den Bayern habe es solche Fälle schon öfters gegeben und Barkok habe ihn in seiner Entscheidung bestätigt: „Es freut mich, dass er heute ordentlich reingefunden hat. Da haben wir was Positives gewonnen.“ Der harte Konkurrenzkampf sei durchaus positiv zu sehen, denn „die Jungs kommen immer wieder.“

Wie Phönix aus der Asche ist auch Marius Wolf in den letzten Wochen aufgestiegen. Der ebenfalls 22-Jährige Außenbahnspieler hat sich zum Stammspieler gemausert und punktet immer wieder auch mit Torgefahr. Das Tor in Berlin war bereits sein dritter Pflichtspieltreffer in dieser Saison und Balsam auf die Seele der Standardkritiken unter der Woche. Dabei war die einstudierte Eckballvariante nichts Neues: „Wir hatten das auch gegen einen anderen Gegner vor. Ich will jetzt nicht den Namen nehmen. Aber der Gegner hatte es uns nicht angeboten.“ Der Rückraum muss bei solchen Versuchen eben unbesetzt bleiben, damit ein Spieler reinrücken kann. Co-Trainer Robert Kovac und Videoanalyst Marcel Daum haben im Vorfeld gute Arbeit geleistet: „Sie haben sich den Gegner angeschaut bei den Standards das gut gesehen und die Jungs drauf vorbereitet.“ Eine gewisse Spielintelligenz sei dennoch von Nöten: „Die Spieler müssen versuchen, die Situation schnell zu erfassen, zu interpretieren und gleich umzuschalten.“ Und dann braucht es eben noch einen Abschluss, der passt: „Der Wolfi hat wirklich einen richtig strammen Schuss. Sowohl mit der Innenseite als auch mit dem Spann hart und präzise.“ Jarstein habe den Ball erst gesehen, als er schon unter dem Gebälk eingeschlagen hat. „Kompliment an alle. Das ist ein gesamtheitliches Projekt. Wir gewinnen und verlieren alle zusammen.“

Eintracht mit dem „Quäntchen Glück“ –  Erster der Auswärtstabelle freut sich auf die Bayern

Der Ausgleich fiel in einer Phase, in der man nach Rückstand und schwachem Beginn erst versuchte ins Spiel zu finden. In der zweiten Halbzeit konnte Boateng zehn Minuten vor Schluss dem Ganzen die Krone aufsetzen: „Das Leben schreibt die schönsten Geschichten“, kommentierte Kovac den Siegtreffer des gebürtigen Berliners. „Das freut mich für ihn, für uns und für die Eintracht.“ Am Ende sah der Kroate ein „grundsolides Spiel von uns.“ Man könne nicht erwarten, „dass wir hier Hurrafußball spielen und eine Chance nach der anderen haben. Zumal Hertha gut und tief verteidigt hat.“ Man sei auf ein Team getroffen, das mit der Eintracht auf Augenhöhe agiert: „Und heute hatten wir das Quäntchen Glück, das wir in Hoffenheim vielleicht nicht hatten.“ Am Ende kommt Kovac zu dem Schluss, „auch wenn der Pal das nicht so sieht: Das ist heute ein verdienter Sieg.“

Nach dem Auswärtserfolg sind die Hessen das beste Team in dieser Disziplin. Keine Mannschaft konnte mehr Punkte in der Fremde mitnehmen. Natürlich seien verlorene Heimspiele ärgerlich, „aber wir machen es im Moment auswärts ganz gut wett.“ Die Ausgeglichenheit der Liga sei daran mit Schuld: „Zuhause wollen die Mannschaften, die gegen uns spielen, uns das Spiel in die Hand geben.“ Selbst Leverkusen habe das in der Woche zuvor gemacht trotz der eigenen spielerischen Stärke: „Das fällt uns dann schwer, das fällt allen Teams schwer.“ Eine gute, kompakte Defensive reiche oftmals aus, um das Spiel für sich zu entscheiden: „Das ist ein Phänomen. Achtzig Prozent der Bundesligamannschaften haben das Problem.“Klare Siege gibt es selten. Für die Eintracht in dieser Saison nie. Am Samstag (15:30 Uhr) muss die SGE wieder zu Hause ran. Gegen das zweitbeste Auswärtsteam aus München. „Das wird ein interessantes Spiel, die Bude ist voll. Es ist immer ein Erlebnis, wenn die Bayern kommen“, freut sich Kovac auf ein erneutes Wiedersehen mit einem Ex-Klub. Letztes Jahr habe man sie beim 2:2 ärgern können: „Wir werden alles reinsetzen, dass wir es diesmal auch schaffen.“ Am Dienstag werde man sich den FC Bayern gegen Paris St-Germain anschauen. Im Anschluss hoffe man, „dass unsere Fans uns zu einem guten Ergebnis tragen.“ Und dass die Eintracht danach immer noch die auswärtsstärkste Mannschaft der Liga ist.

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17 Kommentare

  1. “ Und dass die Eintracht danach immer noch die auswärtsstärkste Mannschaft der Liga ist.“
    Das habe ich erst beim zweiten Lesen des Satzes verstanden 🙂

  2. Dann heißt es am Samstag die Tabellenführung (Auswärtstabelle) zu verteidigen!!!
    Gegen die Münchner wird sich Kovac bestimmt was einfallen lassen. Ich glaube nicht, dass wir so spielen werden, wie in Berlin.
    Ein Heimsieg wäre einfach geil und wenn alles passt auch nicht unmöglich. Vielleicht bleiben ja Gacinovic und Haller draußen und dafür kommen Jovic und Kamada. Hasebe spielt Libero, so dass Wolf mehr nach vorn gehen kann.

  3. Wunderschön dieses Gefühl nach einem Sieg. Vieles wurde in den letzten Beiträgen schon gut aufgearbeitet.

    Ich frag mich aber warum Hasebe nicht Mal wieder in die Dreierkette rückt. Salcedo dafür weicht. Damit hatte ich das Gefühl, sind wir etwas besser gefahren. Und ein Posten für mehr Kreativität im Mittelfeld würde frei werden.

  4. Die jungs machen einfach Spass – auch Gestern in der 2. Halbzeit als das spiel nicht Rund läuft haut Boateng das Ding schön in die Ecke MEGA :-)…..

    Gegen Bayern haben wir nichts zu verlieren 🙂

  5. @Adlersieg:
    Das Haller für Kamada oder Jovic weicht halte ich für unrealistisch.
    Haller bringt Wucht, Größe, Schnelligkeit, gutes Defensivverhalten, Übersicht, Kampfeswillen und geniale Tricks mit.
    Dafür einen schmächtigen Kamada oder ebenfalls kleineren Jovic zu bringen, die beide die Attribute von Haller nicht vorweisen können, beraubt uns der Möglichkeiten.
    Was Hasebe angeht, denke ich schon (insofern gesund u. fit), dass Kovac ihn auf die Liberoposition ziehen wird.

  6. @3
    Nur ne Vermutung, aber gegen Hertha hätte ich das gegen Ibisevic und Selke wegen der Standarts auch mit Salcedo innen gespielt. Gegen Bayern dagegen eher mit Hase.

    Dass hier immer wieder Jovic und Kamada gefordert werden, finde ich erstaunlich. Dass Gacinovic mal ne Pause braucht ist ja offensichtlich, aber in den bisherigen Spielen habe ich von Jovic und Kamada noch nichts gesehen, was ihren Einsatz jetzt zwingend notwendig oder wünschenswert machen würde.

  7. Mit dem ca. eineinhalb Köpfe kleineren Jovic als Sturmspitze müsste eigentlich Strategie und Aufstellung verändert werden – zumindest wenn der Wechsel dem Angriff und Torerfolg dienen soll. Vielleicht ist mir das entgangen, aber bislang konnte ich nach der Einwechslung von Jovic keine Umstellung erkennen. Somit ist meine Vermutung, dass Jovic weniger für Tore ins Spiel kommt, sondern v.a. um Gegenspieler zu binden.
    Wobei… eigentlich hatte Haller außer reichlich Defensivarbeit gestern auch nichts anderes zu tun.

  8. ich freue mich insbesondere über A.Barkok. Weiter so , dann wird es wieder.
    Eine schöne Woche und tief im Herzen spüre ich einen guten alten Fußballsong : zieht den Bayern die Lederhosen aus ! Schon zu lange nicht mehr gehört.
    Forza SGE !

  9. @ 6
    Bei Jovic gebe ich dir nicht recht.
    Bestes Beispiel war in Leipzig 2. Halbzeit. Als Jovic drin war, hätten wir das Ding fast noch egalisiert. Der hat gut Betrieb die 2. Halbzeit gemacht. Dazu ist er mir auch in der Vorbereitung positiv aufgefallen und hat auch in der U21 sehenswert getroffen. Gegen Leverkusen hat man gemerkt, dass Haller auf falschem Posten gegen Leverkusens schnelle Abwehr war. Da hätte ich Jovic mal reingeschmissen in der 75. Minuten oder so…
    Bei Haller ist es irgendwie etwas die Alex-Meier-Denke. Er könnte ja in der 90. Minute noch treffen . Okay hat er ja auch einmal 😉 Aber gegen Leverkusen hat man deutlich gesehen, dass da heute nix ging bei Haller.

  10. Hasebe vor der Dreierkette sollte Prince die Möglichkeit geben, sich mehr nach vorne zu orientieren. Nur leider hat der Plan durch das frühe Gelb gleich einen Dämpfer gekriegt. Ich hab das übrigens nicht als Gelb gesehen. Boateng hat trotzdem sein Versprechen wahr gemacht, dass er auch mal Spiele entscheiden wird. So ist die Aufstellung gut aufgegangen, während ein Einsatz von Stendera Boateng weiter nach hinten gezwungen hätte. Salcedo hatte den Lichtblick, den Ball nach dem Foul an Wolf aufzunehmen, statt ihn ins Aus gehen zu lassen. Das war eine typische Verwirrungssituation, wo jeder denkt, was ist eigentlich los, warum pfeift der Schiri nicht. Aber Salcedo hat das Heft des Handelns in die Hand genommen und wahrscheinlich auch die Hertha überrascht. Für einen Innenverteidiger war das schon sehr gut.

  11. @ G-Block
    Ich denke, man sollte es bei den Bayern mit schnellen Spielzügen versuchen. Haller behauptet zwar den Ball sehr gut, lässt aber beim 1 gegen 1 viel liegen und ist sehr langsam. Wenn Wolf über rechts, Rebic über links und Jovic zentral richtig Gas geben, sehe ich für uns die größten Chancen. Kamada soll ja als Ballverteiler geniale Ideen haben. Am Samstag wäre dann seine Stunde.
    Haller könnte evtl. als Joker kommen, wenn die Abwehrspieler sich müde gerannt haben.

    OK – ist nur Theorie und wahrscheinlich sagen uns die Münchner, wo es langgeht – aber träumen darf man ja mal…

  12. @11
    Naja, was heißt träumen? Das wir gegen Bayern eher auf Konter spielen als gegen Hertha klingt nicht so unrealistisch 😉
    (Haller kommt dann nach dem 2:0 in der 81 Minute um vorne die Bälle fest zu machen 😀 )

  13. Haller und Rebic sind m.M.n. gegen die Lederhöschen gesetzt.
    Im zentralen MF sehe ich am ehesten neben dem Prinzen Hase B und Stendera.
    Die Dreierkette bleibt, Wolf auch. Die einzige Überraschung könnte Tawatha statt Willems sein.
    Schau mer mal – ist ja noch ’n bisschen hinne 😉

  14. Bin mal sehr gespannt, ob Boateng gegen Bayern auch so viele Freistöße ziehen kann, die einem anderen, außer eben den Bayern, kaum zugesprochen werden. Denke gegen Bayern wird Kovac nicht experimentieren, da wir eh zwei Spieler haben denen eine Gelbsperre droht. Rebic und Boateng(?), dann kriegt Jovic bestimmt seine Chance, sobald es einen erwischt.

  15. Uuups, stimmt glaube ich nicht mit den gelben Karten für Rebic und Boateng, sorry konnte nicht mehr korrigieren.

  16. Bin gespannt,ob Barkok am Samstag von Anfang an ran darf für Mijat.
    Ansonsten sehe ich keinen Grund für personelle Änderungen. Vllt Stendera für Mijat.

  17. Glaube auch nicht das NK sich auf Experimente einlässt. Prince wird trotz drohender Gelbsperre im MF spielen. Stendera statt Mijat/Barkok. Jovic würde gegen Hummels und Co kein Land sehen. Der kommt als Joker in de 2.Hz rein. Wenn bis dato 0:0 steht würde ich es riskieren. Und Kamada ist noch nicht soweit.

    Kann mich erinnern, dass unter Veh ein „7-3-0“ mit Seferovic als 2. LV gespielt wurde 😉 hoffe das droht uns nicht mit Rebic am Samstag

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