Sportvorstand Fredi Bobic will die Eintracht wieder zur festen Größe in der Bundesliga machen.

Seit 2012 spielt die Frankfurter Eintracht wieder im deutschen Oberhaus. Die beste Platzierung war ein sechster Platz nach dem Aufstieg mit anschließendem internationalem Geschäft, die schlechteste legte man 2015/16 hin, wo man erst in der Relegation den Abstieg vermeiden konnte. Mit dem Gespann Fredi Bobic, Bruno Hübner und Niko Kovac samt Trainerteam soll nun der endgültige Umbruch von der launischen Diva zur Bundesligagröße gemeistert werden.

Bewegung und Fortschritt auf allen Ebenen

In den letzten zwanzig Jahren legten die Hessen drei Ab- und drei Aufstiege hin. Ein vierter Abstieg konnte nach der gescheiterten Rückholaktion von Armin Veh mit dem Überraschungstrainer Niko Kovac in letzter Sekunde verhindert werden. Seitdem versucht man in der Ära nach Heribert Bruchhagen sukzessive ein Umfeld zu schaffen, das Potenzial für mehr besitzt. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende hat eine wirtschaftliche Basis gelegt, auf dessen Fundament Bobic & Co nun bauen können. Und das will man auch im wörtlichen Sinne. Eine neue, größere Geschäftsstelle soll her und sollte die Kandidatin der CDU, Bernadette Weyland, die Wahl zur Oberbürgermeisterin gewinnen, stehen die Karten – laut ihr – auch nicht allzu schlecht, dass die Eintracht bald Herr im heimischen Stadion werden könnte. Daneben steht vor allem Axel Hellmann, Vorstandsmitglied der Fußball AG, für neue Wege im Marketing. Der Deal mit Indeed, der neue Ärmelsponsor und die Partnerschaft mit der Deutschen Bank gehen zu einem großen Teil auf sein Konto. Weitere Abschlüsse sollen folgen. Für die internationalen Beziehungen, den Markt außerhalb Deutschlands hat man mit Markus Weidner eigens einen Spezialisten eingestellt und einen eigenständigen Bereich geschaffen.

Im sportlichen Bereich hingegen ist Fredi Bobic als Nachfolger von „Herri“ die letzte Instanz. Gemeinsam mit Sportdirektor Bruno Hübner, Chefscout Ben Manga und Niko Kovac werden auch auf dem Platz die Weichen für eine konstante Zukunft gestellt. In einer Saison, in der die Bundesliga ausgeglichen wie nie zu sein scheint, steht die Mannschaft aktuell auf einem respektablen siebten Platz. „Wir sind in allen Bereichen auf dem Weg nach vorne“, macht Bobic im Gespräch mit der „Frankfurter Rundschau“ die neuen Dynamiken im Verein deutlich. Man arbeitet Hand in Hand zusammen, gibt sich geschlossen: „Alle sind gewillt, sich zu bewegen. Das ist auch wichtig, denn nur so bist du eine Konstante und keine launische Diva.“

Realistische Ziele – Charakter und Mentalität als Knackpunkt

Die Erwartungen bremst der Sportvorstand dennoch ein wenig: „Wenn wir auf einem einstelligen Tabellenplatz einlaufen, dann ist das wie eine Europa-League-Teilnahme. Das wäre eine Riesengeschichte“, gibt man sich in Frankfurt realistisch was die Situation in der Liga angeht. Ein Platz in der oberen Tabellenhälfte sei mit den aktuellen Mitteln ein absoluter Erfolg. Denn für Bobic ist eins klar: „Dieses Jahr wird es auch wieder einen Großen treffen. Es sind ja keine Kleinen in der Liga: Freiburg, Augsburg, Mainz? Das sind keine Kleinen. Diese Saison wird wieder eine Titanic sinken, und wir sind froh, wenn wir nicht dabei sind.“ Gerade ein Beispiel wie der 1. FC Köln, mit dem der 46-Jährige durchaus Mitleid empfindet, sei Warnung genug. Auch wenn er betont, dass ein Abstieg für einen Bundesligamannschaft eigentlich kein Beinbruch sein darf: „So ein Betriebsunfall kann heutzutage passieren und darf einen Verein eigentlich nicht mehr umwerfen.“ Bis zur Winterpause sollen im Optimalfall noch sechs, sieben Punkte her: „Das wäre super. Ich habe vor der Saison gesagt: Alles, was über 20 Punkte ist, ist überragend.

Damit die Eintracht aber überhaupt mithalten kann, hat man zum einen Geld in die Hand genommen, denn „nur mit ablösefreien Spielern, Leihspielern oder Eine-Million-Transfers wirst du es nicht hinbekommen, da wirst du in der Bundesliga aufgefressen. Es muss unser Anspruch sein, in Zukunft Geld auszugeben.“ Zum anderen habe man aber auch auf bestimmte Aspekte bei der Kaderzusammenstellung geachtet: „Der Teamgedanke stand bei der Zusammenstellung des Kaders absolut im Vordergrund. Und wir lagen richtig.“ Spieler wie Kevin-Prince Boateng, der einst als schwieriger Charakter galt, war ein Glücksgriff: „Als wir ihn geholt haben, haben viele gesagt: ‚Oje, was holen sie sich denn da für einen ins Team.‘ Wir wussten aber, dass wir einen absoluten Leader bekommen, der total gereift ist.“ Eine erste Kontaktaufnahme gab es beim Abschiedsspiel von Marcelinho im März diesen Jahres und später die Ansage, dass man auf den „Prinzen“ bis zum letzten Tag warten würde. Ähnliches galt auch für Jetro Willems, dessen Verpflichtung im Sommer große Priorität besaß: „Mir war schnell klar, dass wir Bastian Oczipka verlieren würden.“ Umgehend ging der Auftrag an Ben Manga, für diese Position zu fahnden. Mit Erfolg.

Respekt für die Fans – Optimismus bei Kovac

Trotz der erfolgreichen Transfers traut er dem Frankfurter Umfeld zu, die Lage realistisch einzuschätzen: „Was ich gemerkt habe: Die Menschen hier erwarten nicht, dass wir jeden Gegner aus dem Stadion schießen.“ Gerade in der vergangenen Rückrunde habe er das besonders gespürt: „Die Mannschaft wollte, konnte aber nicht mehr so, wie sie wollte. Sie ist dennoch mit Applaus und nicht mit Pfiffen worden, weil sie alles gegeben hat. Es wird anerkannt, wenn jemand ehrliche Arbeit abliefert und sich den Hintern aufreißt.“ Bobic hat mit der Zeit ein Gespür für die Fans entwickelt, die ihn zu Beginn mehr als skeptisch empfangen haben.

In jedem Gespräch wird deutlich, dass Bobic erst am Anfang seiner Arbeit ist. Seine Visionen, Ideen und Projekte machen deutlich, dass er sich trotz einem aktuell bis 2019 laufenden Vertrag langfristig bei der Eintracht sieht. Er möchte etwas bewegen in einer Stadt, die jahrelang wie ein schlummernder Riese daherkam. Und dazu möchte er natürlich auch weiter auf seinen Trainer bauen, der ebenso voller Esprit seine Aufgaben angeht: „Niko hat richtig Spaß an dieser Aufgabe hier, wir wollen zusammen etwas entwickeln. Er fühlt sich wohl, er sieht, dass hier etwas entsteht, hat da richtig Lust drauf, und ich denke, er würde gerne länger in Frankfurt bleiben.“ Ein Trainer, der die Spieler besser macht, mit einem Vorstand, der Visionen vorantreibt und umsetzt: das könnte tatsächlich das Rezept sein, um die launische Diva in eine wahrhaftige Diva zu verwandeln, die konstant ihre Leistung auf der großen Bühne Bundesliga zelebriert.

 

 

 

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20 Kommentare

  1. Weg von der launischen Diva? Nicht doch!!
    Was heisst „konstant“? gegen kleine Fische immer gewinnen und gegen große Gegner immer verlieren?
    Wenn ich es mir so überlege, dann möchte ich doch nicht, dass sich was ändert 😉
    Es sei denn, wir verändern uns zu einer konstanten Diva…

  2. Also noch 6 Punkte in diesem Jahr wären schon sensationell, insbesondere wenn man sich die Gegner anschaut. Punkte anfressen wäre extrem wichtig, denn wenn wir uns in der Rückrunde zu diesem Zeitpunkt ne Krise nehmen würden bei diesen Gegner wird es wieder eng. Hoffenheim wäre eigentlich mal wieder fällig, wäre super wenn wir dort die 20er Marke überspringen könnten. Mit solchen Marken haben wir uns ja immer schwer getan. Auf geht`s Eintracht, nicht nachlassen!

  3. @Benny: Danke für deinen tollen Artikel! Bis auf den letzten Satz, mit dem ich nichts anfangen kann… Ein wesentlicher Charakterzug einer Diva ist doch das Launenhafte und das ist auch das einzig konstante an ihr, oder? Und weiterhin verbinde ich eine Diva mit einem/einer Opernsänger(in), also jemand, der auf der Bühne steht und etwas singt, was ich nicht verstehe…
    Könnten wir bitte, bitte, bitte von diesem Begriff wegkommen und ihn nur mit unserer Vergangenheit in Verbindung bringen?!
    Es wäre fantastisch, wenn wir konstant Siege einfahren würden, zumindest Heimsiege.
    Also: FORZA SGE!

  4. „Der ehemalige Vorstandsvorsitzende hat eine wirtschaftliche Basis gelegt“…

    Und zwar sah diese wirtschaftliche Basis so aus, dass wir erst einmal 5 Millionen Transferüberschuss generieren mussten. Die Verklärung der Bruchhagenschen „Arbeit“ sollte man doch lieber mal weglassen.

  5. Alles hat seine Zeit und aktuell erleben wir eine sehr ordentliche Zeit bei unserer Eintracht.
    Immer wieder den Blick zurück ? Da kannst du so wie so nichts mehr ändern . Trotzdem darfst du die Vergangenheit nicht vergessen , mit allen positiven Erfahrungen und Erlebnissen und natürlich auch mit den Lehren aus Niederlagen und Fehlentwicklungen.
    Auf jeden Fall geht es aber auch um die Pflege von Tradition , um die Bewahrung der Ehre der „Diva vom Main“.
    In diesem Kontext sehe ich die gegenwärtige Arbeit unserer Verantwortlichen und freue mich über die klare und längerfristige Konzeption etwas nach vorn zu entwickeln. Das muss auch immer wieder unterstrichen werden , vieles ist noch Konzeption ( mehrere Jahre ) , noch nicht da. Deshalb auf dem Teppich bleiben , die Richtung stimmt, doch der Berg muss erst noch erklommen werden.
    Da bin ich als Mitglied und Fan aber äußerst gern mit meinen bescheidenen Mittel dabei.
    Forza SGE !

  6. @4. tomislav
    Da hast Du Recht! Auch der Diva wegen hätten wir uns nach der gerichtlichen Rettung, weiter mit Zuhältern und Sonnenkönigen umgeben sollen, statt das Vertrauen zu Fans, Wirtschaft und Politik wieder herzustellen.

  7. „…statt das Vertrauen zu Fans, Wirtschaft und Politik wieder herzustellen.“

    Dieses Vertrauen war dermaßen groß, dass die uns zugeschmissen haben mit Geld oder uns ganz tolle Stadionverträge gegeben haben – oder etwa doch nicht?

    Das sind doch alles nur Luftnummern. Von dem angeblichen Vertrauen in Wirtschaft und Politik hat immer nur Bruchhagen selber gefaselt, positiv ausgewirkt hat es sich nicht im mindesten. Leere Worthülsen, wie immer bei Bruchhagen.

  8. Ziel muss es sein Bestandteil der 1. Buli zu bleiben und zwar ohne Investoren a la Kühne. Zudem alle paar Jahre europäisch vertreten zu sein und im Pokal weit kommen.
    Klingt sehr begnügsam und mal soll immer mehr wollen und wachsen, aber die aktuelle Entwicklung lässt nicht mehr zu. Wenn die Eintracht ihre Seele verkauft, um oben mitzumischen; wars das für mich. Da bin Tradionist. die aktuelle Entwicklung unter den Verantwortlichen ist durchaus positiv und lässt uns zumindest temporär freudig in die Zukunft schauen. Kann sich allerdings mit ausbleibenden Erfolg wieder ändern.

  9. @3. ruffkick
    Na, ganz so schwer ist es nicht zu verstehen.
    Die „wahrhaftige“ Diva ist nie launisch, wenn sie auf die Bühne tritt, wenn es zu performen gilt, dort ist sie stets göttlich. Schwächelnd, fiebernd, depressiv, seufzend, hysterisch und im nächsten Moment wieder schwelgerisch-verzückt, überschwänglich, euphorisch – eben launenhaft-kapriziös, ist die Diva nur im Off, also neben der Bühne.
    Und dann wird auch klar, dass Showbiz hie und da doch noch ein wenig anders funktioniert als Fussball.

  10. @zizou
    Grundsätzlich eine sehr schöne Bestandsaufnahme und Beschreibung einer Diva.
    Aber: genau der Umstand, dass eine Diva sich „ihre Bühnen“ selbst aussucht und so die gleiche Vorstellung einmal göttlich und einmal bemitleidenswert darbietet, identifiziert eine Diva eben erst als solche.
    Soll heißen: Ein Fußballspiel gegen Bayern München ist für eine Diva (SGE) im Selbstverständnis genau ihre Bühne. Das gleiche Spiel gegen Duisburg oder irgendeinen Tabellenletzten eben nicht. Divaesk eben.

  11. Ich meine die SGE sollte den schönen Avatar Diva mit Stolz tragen. Klingt allemal besser als Knappen oder Schanzer oder es fehlt ganz an einem Nickname. Und was heißt denn Diva ? Es heißt die SGE gewinnt auf Schalke und verliert eine Woche später gegen Freiburg zuhause. Nur solche Auftritte beflügeln das Adrenalin. Ich fahre halt lieber Achterbahn, als Ponykarussell. Wenn ich ein Ponykarussell will, bin ich Bayern München FAN und nicht dedicated Follower der Diva.

  12. Diva hin oder her. Mir geht’s eher noch ein Mal um Herribert. Selbstverständlich hat er eine solide Basis geschaffen und diese auch hinterlassen. Schon vergessen, wir waren nahezu pleite. Fast auf der Höhe auf der heute der FSV oder der OFC sind.
    Was den Transferüberschuss betrifft, vielleicht Mal daran denken warum das so gewesen sein könnte. Wir sind in der Winterpause in Vorleistung gegangen. Wir haben Geld ausgegeben wobei klar war, dass wir, in der Situation in der wir waren, es nicht wieder einnehmen werden. Auch hier hat uns die solide Basis gerettet.
    Aus der Vergangenheit lernen, das ist die Aussage die oben schon mal gemacht wurde und die meiner Meinung nach absolut richtig ist. Das Lernen heißt dann auch Fehler nicht zu wiederholen und genauso muss es sein.

  13. @11.
    Ja, im allgemeinen Sprachgebrauch ist eine Bedeutungsverschiebung, ja, -verdrehung des Begriffs entstanden – von daher kann eine Analogie gar nicht stimmig sein. Eine Callas ist schließlich nie in Erndtebrück, Sandhausen oder Heidenheim aufgetreten.
    @Chaiselongues „Achterbahn“ und „Ponykarussell“ wird dem Sachverhalt schon eher gerecht – wobei ich auf Achterbahnfahrten jederzeit gerne verzichte. Ich juckle gerne für ne Weile Ponykarussell, wenn wir uns so im Laufe der kommenden Jahre im ersten Drittel der Tabelle etablieren könnten.

    Und was NK betrifft – in dem tz-Artikel steht ja Punkt für Punkt drin, was (nicht nur) ich vor mehr als einem Jahr schon so oder so ähnlich gepostet habe. Mit jedem guten Spiel, mit jedem Punktgewinn wird Kovac interessanter für diverse CL-Clubs. Dass er zu den FCB-intern diskutierten Heynckes-Nachfolge-Kandidaten der engeren Wahl gehört, wird niemand in Zweifel ziehen – ob sich dort alle Granden darüber einig sind, dass das für NK genau der richtige Zeitpunkt ist, jedoch sehr wohl. Und dass diese Option zwischen Bobic und Kovac bislang noch mit keiner Silbe erwähnt wurde, ist ebenfalls nur schwer vorstellbar. Wer weiß, vielleicht gibt es bereits entsprechende Gedankengänge über einen Wechsel als Gespann (K&K&B).
    Mann muss sich wohl vor Augen halten: Je ponykarussellhaft-erfolgreicher und punktemäßig konstanter diese Saison verläuft, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass die aktuelle personelle Konstellation länger fortbesteht.
    Das ist übrigens ein ganz wesentlicher Unterschied zwischen einer Möchtegern- oder auch Wald-und-Wiesen-‚Diva‘ und einer echten, wahren – letztere sieht sich nämlich nicht genötigt, einen neuen Manager zu acquirieren, ausgerechnet wenn’s besonders gut läuft.

  14. Bin mit ebenfalls sehr sicher, dass Niko seine letzte Saison bei uns trainiert!

    Der Reiz den FCB trainieren zu können, auch bezüglich der privaten Komponente, wird er sich nicht entziehen können oder wollen!

    So eine Chance wird er nicht nochmal bekommen und das weiß er auch!

    Ich hoffe, er bleibt, mein Gefühl sagt mir aber er ist weg!

    Einen geeigneten Nachfolger zu finden wird dann umso schwerer…!

    Forza SGE

  15. Deutlich schwieriger noch wird es, einen ordentlichen Nachfolger für Bobic zu finden.

  16. @ zizou
    Da wiederum glaube ich, dass Fredi noch nicht fertig hat und daher noch ein bisserl bleiben wird !

    Wäre halt echt Schade, da zurzeit alles in die richtigen Bahnen gelenkt wurde und jeder weiß, was er zu tun hat!

    Bobic, Hübner und Kovac ergänzen sich ideal, da einen gleichwertigen Ersatz zu suchen, wird schwer und holprig werden!

    Ich genieße derzeit jeden Spieltag und ich bin mir sicher, dass wir in dieser Saison am Ende einen einstelligen Tabellenplatz einnehmen werden!!

    Welchen verrate ich euch aber nicht, ätsch 😉

    Forza SGE

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