Interview: Petar Houbtchev
SGE4EVER.de: Wie ist das Gefühl, wieder bei der Eintracht zu sein? Kann man sagen „Willkommen zu Hause!“?
Petar Houbtchev: Ja, das kann man so sagen. Ich habe ja hier in Deutschland zwei Vereine gehabt: Die Eintracht und den HSV. Hier bei der Eintracht hat alles für mich super funktioniert – nicht nur für mich, sondern auch für meine Familie. Ich bin sehr froh, wieder hier bei der Eintracht zu sein.
SGE4EVER.de: Sie trainierten zuletzt den bulgarischen Erstligisten Slavia Sofia und sind aus dem laufenden Vertrag ausgestiegen, um das Traineramt der Eintracht U23 zu übernehmen. Was macht für Sie den Reiz der Aufgabe aus, ausgerechnet einen abstiegsbedrohten Viertligisten zu übernehmen?
Petar Houbtchev: So ist nun einmal das Trainergeschäft auf der ganzen Welt. Sicherlich wäre es besser, wenn man zu Beginn einer Saison eine Mannschaft übernimmt und etwas aufbauen kann. Aber man kann es sich nicht immer aussuchen.
SGE4EVER.de: Sie haben ja unter ihrem Vorgänger und Freund Bernhard Lippert selbst gespielt und waren in der Regionalliga sein Co-Trainer. Haben Sie jetzt, da Sie seine Nachfolge antreten, Kontakt zu ihm aufgenommen?
Petar Houbtchev: Ja, ich habe mit ihm gesprochen und einige Dinge geklärt.
SGE4EVER.de: Seinen Co-Trainer Manfred Meyer haben Sie „übernommen“. Was hat den Ausschlag dafür gegeben?
Petar Houbtchev: Ich hatte ein Gespräch mit ihm. Ich bin sehr froh, dass der Manni da ist. Wie er als Co-Trainer ist, muss ich abwarten, das weiß ich noch nicht. Aber ich bin sehr froh, dass Manfred Meyer da ist, weil er als Mensch wichtig ist für die Mannschaft!
SGE4EVER.de: Wo sehen sie die Ursachen für das bisherige schlechte Abschneiden der U23 in der Oberliga Hessen?
Petar Houbtchev: Dazu kann ich selbst wenig sagen, ich habe die Spiele in der Vorrunde nicht gesehen. Das meiste habe ich mir nur erzählen lassen.
SGE4EVER.de: Was werden Sie anders machen als Ihre Vorgänger Bernhard Lippert und Armin Kraaz?
Petar Houbtchev: Zu der Arbeit von Bernhard Lippert kann ich nichts sagen, da ich nicht dabei war. Ich habe zwei Spiele von Armin Kraaz gesehen und ich glaube gar nicht, dass ich da etwas anders machen muss. Er hat alles richtig gemacht. Besonders das letzte Spiel (5:0-Sieg über den SV Erzhausen, Anm. der Redaktion) war ganz okay. Wenn wir so weiter spielen, brauchen wir nicht so viel verändern.
SGE4EVER.de: Trotz der Unterstützung von insgesamt neun Lizenzspielern in der Vorrunde befindet sich die U23 mitten im Abstiegskampf. Jetzt müssen Sie in der Rückrunde auch noch auf die beiden Besten, Alexander Huber und Markus Husterer, die den Verein verlassen haben, und auf den verletzten Mounir Chaftar verzichten. Wird das gut gehen?
Petar Houbtchev: Ich war ja lange bei der Eintracht und habe zum Schluss ja auch bei den Amateuren gespielt. Das mit den Profis ist ein Problem, das alle Amateurmannschaften von Profivereinen haben, nicht nur die Eintracht. Oft geben die Amateur-Spieler die ganze Woche im Training Gas und am Wochenende kommen dann sechs oder sieben Profis herunter, die überhaupt keine Lust haben. Mit diesen Jungs aber, die von oben kamen, haben wir dieses Jahr diese Probleme nicht gehabt. Es war ein anderes Problem, warum es in der Mannschaft nicht geklappt hat, aber diese Spieler haben immer gekämpft und alles für die Mannschaft gegeben. Cimen, Huber, Russ, Zimmermann sowieso, die Jungs waren immer mit dem Herz voll dabei. Das Problem ist aber, wie mache ich aus diesen für die Oberliga spielerisch sehr starken Spielern ein Kollektiv?
SGE4EVER.de: Wäre es dann nicht hilfreich, wenn die Profis, von denen von vornherein eigentlich klar ist, dass sie bei den Amateuren eingesetzt werden, öfter mit der Mannschaft trainieren könnten?
Petar Houbtchev: Das wäre natürlich super für mich, da könnten wir viel mehr taktische Dinge trainieren. Aber das geht nicht. Es ist so geregelt: Die Spieler, die von oben zu uns kommen, trainieren auch dort und kommen nur zum Abschlusstraining zu uns. Damit muss ich leider leben.
SGE4EVER.de: Es heißt, der SV Erzhausen sei sehr an Jens Paetzold interessiert.
Petar Houbtchev: Ja, das habe ich auch gehört. Ich habe mit Jens Paetzold gesprochen. Er war schon beim Präsidium der Eintracht. Ich möchte bis spätestens nächste Woche wissen, ob er bleibt oder nicht. Aber wenn er sagt „ich will gehen“, dann kann er auch gehen. Wenn er bleibt, dann nur, wenn er auch hundertprozentig Lust dazu hat.
SGE4EVER.de: Müssen da jetzt nicht Neuverpflichtungen her?
Petar Houbtchev: Das ist für mich im Moment kein Thema, wir haben genug Spieler. Aber dennoch: Alles ist möglich. Vielleicht kommen noch ein, zwei junge Spieler. Aber das entscheidet bei der Eintracht nicht der Trainer.
SGE4EVER.de: Welche Erwartungen stellen Sie an Ihre Spieler in der Rückrunde?
Petar Houbtchev: Wir haben jetzt mit dem Training begonnen und die letzten Tage sehr konzentriert gearbeitet. Es klingt vielleicht jetzt etwas komisch, wenn ausgerechnet ein Ausländer bei einer deutschen Mannschaft auf Disziplin achtet, denn die deutschen Mannschaften sind ja für Disziplin, Kampf- und Laufbereitschaft bekannt, aber ich glaube, wir brauchen etwas mehr Disziplin, taktische Disziplin, in der Mannschaft.
SGE4EVER.de: Warum wird die U23 der Eintracht die Klasse halten?
Petar Houbtchev: Diese Mannschaft, diese Spieler gehören nicht in den Abstiegskampf! Aber man sieht ja, was alles möglich ist. Fakt ist, wir stehen in der Tabelle unten drin. Aber um aus der Oberliga abzusteigen, ist diese Mannschaft zu stark.
Das Gespräch führte Steffen Ewald.