Interview: Bernhard Lippert

SGE4EVER.de: Wie hast Du den Aufstieg der Profis erlebt? Warst Du im Stadion?
Bernhard Lippert: Natürlich, ich war nicht nur im Stadion. Nach dem Spiel habe ich noch mit der Mannschaft im V.I.P.-Raum gefeiert und war auch im Römer dabei. Das war für mich nicht das erste Mal, aber es ist einfach immer wieder schön.

SGE4EVER.de: Beim ersten Wiederaufstieg 1998 und beim legendären 5:1 gegen Kaiserslautern 1999, als man in letzter Minute den Nichtabstieg feiern konnte, warst Du ja noch Co-Trainer bei den Profis. Wie bewertest Du den jüngsten Aufstieg, ist der weniger bedeutend für Dich?
Bernhard Lippert: Im Gegenteil, da ich jetzt für die Nachwuchsmannschaft verantwortlich bin. Der Aufstieg war natürlich für den Gesamtverein eminent wichtig, da wir jetzt erstens finanziell besser aufgestellt sind und es zweitens sportlich vorwärts geht. Das bedeutet auch für uns, dass wir jetzt bessere Möglichkeiten bekommen, junge Spieler zu fördern, dass wir jetzt auch in der Lage sind, den einen oder anderen besseren jungen Spieler zu holen. Das ist für meine Arbeit von eminenter Wichtigkeit.

SGE4EVER.de: Das Ziel der Amateure in der Oberliga war ein Platz unter den ersten Fünf. Tatsächlich aber konnte man erst am drittletzten Spieltag den Klassenerhalt sichern. Im Kader stehen u.a. Spieler mit Regionalligaerfahrung wie Jens Paetzold, William Anane, Boris Kolb oder Benjamin Heydel, dazu Giovanni Speranza, der sogar schon im Profikader stand, Andy Baufeldt, mit 13 Treffern bester Angreifer der vorangegangenen Saison, und Torwart-Talent Jan Zimmermann – von nicht weniger als dreizehn eingesetzten Profis ganz zu schweigen. Wie ist diese Saisonleistung zu erklären?
Bernhard Lippert: Dafür gibt es natürlich vielerlei Gründe: Ich muss für die Mannschaft entschuldigend sagen, dass wir nicht ein einziges Mal in der ganzen Saison in der gleichen Aufstellung spielen konnten. Wir haben insgesamt 37 verschiedene Spieler eingesetzt; ich glaube, das ist deutschlandweit einmalig. Zudem hatten wir mit Verletzungen wie z.B. von Benjamin Heydel große Probleme, Giovanni Speranza ist erst sehr spät zum Kader dazugekommen. Gerade zu Beginn der Saison hatten wir in der Defensive sehr große Probleme, da sich die Mannschaft jede Woche immer wieder verändert hat. Trotz allem bin ich mit dieser Saison auch nicht zufrieden, aber wir hatten – wenn man das mal so sagen darf – in der Mannschaft keinen absoluten Leader, keine Führungsperson wie das beispielsweise früher Peter Houbtchev war, ein älterer Spieler, der die jüngeren mal zur Seite nimmt, der mein verlängerter Arm hier ist. Dadurch war die Fluktuation zu groß für diese junge Mannschaft. So erkläre ich mir das.

SGE4EVER.de: Was muss sich in der nächsten Saison ändern?
Bernhard Lippert: Ganz sicher eines: Dass wir die Defensive stabilisieren! Wir haben viel zu viele Gegentore bekommen. Darauf müssen wir das Hauptaugenmerk legen. Es ist in der Rückrunde schon besser geworden im Vergleich zur Vorrunde, aber da gibt es noch vieles, vieles zu verbessern. Wenn ich heute schon wieder sehe, wie der Gegner in der ersten Halbzeit drei, vier Mal alleine auf unser Tor zuläuft, da kann etwas nicht stimmen. Das ist nicht alleine die Abwehr, das ist das Gesamtverhalten der Mannschaft, wenn sie nicht im Ballbesitz ist.

SGE4EVER.de: William Anane, Andreas Baufeldt, Jorge Tiago, Hicham El Mrhanni, Massimo Monopoli, Boris Kolb und wahrscheinlich auch Giovanni Speranza werden den Verein verlassen. Zudem greift ab der nächsten Saison die sogenannte „U-23-Regel“, nach der die Amateure der Profivereine nur noch drei Spieler einsetzen dürfen, die älter als 23 Jahre sind. Müssen wir uns erneut auf den Abstiegskampf einrichten?
Bernhard Lippert: Man darf ein Saisonziel der Amateure nicht immer am Tabellenplatz festmachen. Ich glaube auch, dass wir in diesem Jahr eine erfolgreiche Arbeit geleistet haben – in Verbindung natürlich mit den Profis, in der guten Zusammenarbeit mit dem Cheftrainer, der die jungen Spieler natürlich auch extrem gefördert hat. Von daher denke ich nicht, dass wir in Abstiegsnöte kommen werden.
Wir wollen aber gar keinen Tabellenplatz als Ziel angeben, sondern versuchen wieder möglichst viele junge Spieler da oben anzubieten, was uns dieses Jahr sehr gut gelungen ist. Die Jungs haben sich hier die Spielpraxis geholt.
Wir sind momentan in Verhandlung mit einigen jungen, sehr talentierten Spielern. Da ist zwar noch nicht alles unter Dach und Fach, aber da ist der eine oder andere dabei, der da oben reinschlüpfen könnte.

SGE4EVER.de: Der Job als Trainer der Eintracht-Amateure scheint sehr undankbar zu sein. Zum Einen verfolgt die Eintracht leider nicht wie andere Bundesligisten das Ziel, ihre Amateur-Mannschaft in der Regionalliga zu etablieren und stellt somit auch die finanziellen Mittel nicht zur Verfügung, und zum Anderen hat der Amateur-Trainer nicht die gleichen Kompetenzen wie seine Oberliga-Kollegen, da er sowohl bei Neuverpflichtungen und Vertragsverlängerungen als auch bei den jeweiligen Mannschaftsaufstellungen immer auf Vorgaben anderer wie z.B. die der Trainer der Profis und der U19 oder der Vereinsspitze angewiesen ist. Wenn z.B. ein Profi abgestellt wird, ist dieser – unabhängig davon, ob es gerade Sinn macht oder nicht – automatisch für 90 Minuten gesetzt. Andererseits ist der Amateur-Trainer aber keinesfalls vom Erfolgsdruck befreit und bei Erfolglosigkeit werden Stimmen laut, die einen Trainerwechsel fordern. Was macht dennoch den Reiz aus, diese Mannschaft zu trainieren?
Bernhard Lippert: Für mich hat es erst einmal den Hauptgrund, dass ich sehr, sehr an diesem Verein hänge! Außerdem macht mir die Arbeit mit jungen Spielern sehr viel Spaß und wir haben auch schon sehr viele junge Spieler entwickelt.
Als Trainer der Amateure muss ich umdenken, ich muss weg von diesem absoluten Erfolgsdenken, dem Anspruch mit der Mannschaft weit vorne mitzuspielen, da die Mittel im Moment wirklich nicht so sind, dass es reichen kann.
Natürlich wollen wir so weit wie möglich vorne mitspielen, aber es geht in erster Linie darum, Spieler zu entwickeln und es macht immer wieder Spaß wenn ich zum Beispiel Marco Russ sehe, wie der vor der Saison hier angefangen hat und wie der sich entwickelt hat. Er war heute der überragende Mann auf dem Platz. Das ist das, was mir an der Arbeit Spaß macht, dass man einen Fortschritt in der Qualität der Spieler sieht.

SGE4EVER.de: Der frühere Cheftrainer der Eintracht, Felix Magath, wollte damals unbedingt einen Regionalligisten als Unterbau für die Profis haben und Du hast es tatsächlich geschafft, die Amateure in die 3. Liga zu führen. Nur war zu diesem Zeitpunkt Felix Magath längst Geschichte und mit Willi Reimanns Unterstützung für die Amateure war es nicht so weit her. Würde es jetzt nicht Sinn machen, da bei den Profis inzwischen mit Friedhelm Funkel ein Mann am Ruder sitzt, der sehr gut mit jungen Spielern umgehen kann und die Amateur-Mannschaft nicht als Abstellgleis für in Ungnade gefallene Spieler versteht, sondern sie als Entwicklungsstätte für junge Talente zu nutzen weiß, zu investieren, um vielleicht mittelfristig die Amateure in der Regionalliga zu etablieren?
Bernhard Lippert: Das habe ich überhaupt nicht zu beurteilen. Ich nehme es so wie es kommt und überlasse die Strategie den Herren von oben. Natürlich möchte ich als Trainer auch so weit wie möglich oben mitspielen, aber zur Zeit ist das einfach nicht möglich. Ich glaube, dass es viele Leute im Verein gibt, die es auch gerne anders hätten. Aber die Begebenheiten sind nun einmal so.

SGE4EVER.de: Vielen Dank für das Interview und weiterhin alles Gute.

Das Gespräch führte Steffen Ewald.