Interview: Andreas Baufeldt
SGE4EVER.de: Du bist bereits in der Jugend gefördert worden und hast in diversen Auswahlmannschaften gespielt. Wann hat man entdeckt, dass der „kleine Andy“ mehr drauf hat als Gleichaltrige?
Andreas Baufeldt: Bei meinem Heimatverein Karben habe ich immer die Tore geschossen. Vielleicht waren der Torjägerinstinkt und meine Schnelligkeit ausschlaggebend, dass ich im Verein und in der Auswahl immer weitergekommen bin.
SGE4EVER.de: Ab wann war für Dich klar, dass Deine Talente im Sturm liegen?
Andreas Baufeldt: Das war schon immer so. Schon in der F-Jugend spielte ich im Sturm und rannte immer nach vorne.
SGE4EVER.de: In der Jugend hast Du für nicht weniger als vier Vereine, der JSG Karben, der TSG Nieder-Erlenbach, dem SV Bad Nauheim und der Eintracht, gespielt. Sind diese Vereinswechsel als Talentförderung zu verstehen?
Andreas Baufeldt: Ich habe ab der C-Jugend meinen Heimatverein verlassen, weil ich in der höchsten Liga spielen wollte. So kamen auch die anderen Wechsel zustande, weil der jeweilige Verein in der älteren Jugendklasse dann nicht mehr in der höchsten Klasse spielte.
SGE4EVER.de: Wie kommt man denn als 16jähriger vom SV Bad Nauheim zur Eintracht?
Andreas Baufeldt: Da ich zum Kader der Hessenauswahl gehörte, spielte ich auch den Länderpokal in Duisburg mit. Nach dem Turnier wurde ich für ein Training der Nationalmannschaft nominiert. Das war der Grund, warum ich von der Eintracht verpflichtet wurde.
SGE4EVER.de: Wie groß war damals für Dich der Sprung vom SV Bad Nauheim zur U17 der Eintracht?
Andreas Baufeldt: Der Sprung war enorm. Nicht nur die sehr guten Mitspieler, auch die Regionalliga wurde neu eingeführt. Und wenn man gleich das erste Spiel gegen Bayern München bestreiten muss, kann man schnell an seine Grenzen stoßen.
SGE4EVER.de: Du hast damals als erster U19-Spieler nach dem Abstieg der Amateure aus der Regionalliga für die Oberliga zugesagt. Gab es auch Überlegungen den Verein zu verlassen?
Andreas Baufeldt: Überlegungen gibt es immer, aber mich hat die Amateurmannschaft sehr gereizt und ich wollte die Chance bei der Eintracht unbedingt nutzen.
SGE4EVER.de: Ärgerst Du Dich darüber, dass Du das Regionalligajahr knapp verpasst hast oder glaubst Du, es war für Dich sportlich von Vorteil, in eine Oberliga-Mannschaft zu rutschen? Schließlich hast Du es auf Anhieb mit 13 Treffern in 28 Spielen zum Leistungsträger geschafft.
Andreas Baufeldt: Natürlich wäre die Regionalliga ein Erlebnis gewesen, aber für meine persönliche Entwicklung war die Oberliga genau richtig. Nur durch Spielpraxis wird man im Fußball besser.
SGE4EVER.de: Im Kader stehen „Amateure“, „Nicht-Amateure ohne Lizenz“ und „Lizenzspieler“. Rechtfertigt denn der Leistungsunterschied ein Gehaltsgefälle, das sogar noch höher ist als das in der Bundesligamannschaft?
Andreas Baufeldt: Es ist vor allem ein Unterschied in Hinsicht auf den Trainingsbetrieb. Die Spieler, die im Anschlusskader der Profis stehen, spielen meist bei uns, trainieren aber immer bei den Profis mit. Das ist der Reiz bei Eintracht Frankfurt, die Chance Profi zu werden, nicht das Gehalt.
SGE4EVER.de: Aus finanziellen Gründen verfolgt die Eintracht zur Zeit leider nicht wie andere Bundesligisten das unbedingte Ziel, ihre 2. Mannschaft in die Regionalliga zu führen. Deinem Talent entsprechend ist aber sicher noch mehr drin als „nur“ Oberliga. Stehen da die sportlichen Ziele des Vereins im Gegensatz zu Deinen eigenen?
Andreas Baufeldt: Nicht direkt, denn die Ausbildung bei der Eintracht ist für mich sehr gut. Natürlich hoffe ich in den nächsten Jahren darauf, noch auf den Regionalligazug oder noch höher aufzusteigen.
SGE4EVER.de: In Deutschland wird bemängelt, dass es anders als z.B. in England nur wenig Kontakt zwischen den Profis und den Jugend- bzw. Amateurspielern gibt. Wie ist Deine Erfahrung?
Andreas Baufeldt: Da vor vier Jahren die Profis ins Waldstadion gezogen sind, haben wir keinen Kontakt zur Mannschaft. Das ist schade, aber ich würde das nicht überbewerten.
SGE4EVER.de: Was bedeutet Dir die Eintracht? Betrachtest Du sie als Arbeitgeber oder schlägt auch ein wenig ein Adlerherz in Deiner Brust?
Andreas Baufeldt: Ein wenig ist gut, ich war schon immer Eintracht-Fan und werde es auch bleiben! Schon als kleiner Junge war ich oft im Stadion und mein Zimmer war voll von Eintracht-Sachen.
SGE4EVER.de: Werden die Profis den Aufstieg noch schaffen?
Andreas Baufeldt: Nach der Niederlagenserie wird es ein riesiger Kraftakt, wieder auf den richtigen Kurs zu kommen. Aber ich glaube, dass wir das noch schaffen, die Saison geht noch lange.
SGE4EVER.de: Du wurdest in den ersten zehn Spielen eingesetzt, musstest dann aber verletzungsbedingt drei Spiele pausieren. Der erste Einsatz danach war nur kurz, da Du aufgrund des Platzverweises von Torhüter Jan Zimmermann als Feldspieler ausgewechselt werden musstest. Wie ist Deine persönliche Zwischenbilanz? Bist Du mit Deinen Leistungen bislang zufrieden?
Andreas Baufeldt: Wenn man im unteren Drittel der Tabelle steht, kann man nicht zufrieden sein. Aber ich versuche mich persönlich weiter zu verbessern. Ich bin überzeugt, dass wir in den restlichen Spielen wieder positiv auf uns aufmerksam machen werden.
SGE4EVER.de: Der Mannschaft droht aufgrund der Vorkommnisse beim FSV Frankfurt ein Abzug von drei Punkten. Wie hast Du davon erfahren und wie hast Du als Spieler die Geschichte am Bornheimer Hang erlebt?
Andreas Baufeldt: Ich habe im Internet auf sge4ever.de davon gelesen. Es ist schade, dass die 2. Mannschaft unter den Pyro-Shows leiden muss. Denn außer, dass es schön anzusehen ist, ist es erstens gefährlich und zweitens schadet es nur dem Verein. Unser Torwart wäre fasst getroffen worden. Das müsste doch zu denken geben. Pyro ist verboten und nur der Verein haftet dafür, nicht die Verursacher. Deshalb hoffe ich, dass die Fans einsehen, dass Pyro-Shows auch bei uns in der Oberliga nicht in Ordnung sind. Es wäre wirklich traurig, wenn uns die Punktabzüge noch zum Verhängnis werden.
SGE4EVER.de: Nach einem schlechten Saisonstart schien es nach zwei überragenden Siegen in Folge wieder aufwärts zu gehen. Inzwischen steht man durch zwei weitere Niederlagen und durch den Punktabzug wieder auf einem Abstiegsplatz. Wie erklärst Du Dir diese Berg- und Talfahrt?
Andreas Baufeldt: Wir sind mit einem Altersdurchschnitt von 21 Jahren das jüngste Team in der Oberliga, niemand ist älter als 26. Viele Teams schaffen es, ihre Schwächen mit ihrer Erfahrung wieder auszugleichen. Wir aber kämpfen teilweise zu verbissen auf einen Sieg hin. Das erklärt wahrscheinlich auch, warum wir die einzige Mannschaft in der Oberliga sind, die noch nie unentschieden gespielt hat.
SGE4EVER.de: Ich bedanke mich recht herzlich für das Interview und die Arbeit, die damit verbunden war und wünsche Dir für Deine persönliche und sportliche Zukunft alles erdenklich Gute!
Das Gespräch führe Steffen Ewald.