Rolf-Christel Guie-Mien war vor 17 Jahren der Matchwinner gegen den HSV.
Rolf-Christel Guie-Mien war vor 17 Jahren der Matchwinner gegen den HSV.

Die Eintracht im Jahr 2017 ist in der Bundesliga etabliert, finanziell gesund und mit dem nötigen Sachverstand sowohl sportlich als auch wirtschaftlich seriös geführt. Zwar baden die Hessen noch immer nicht im ganz großen Geld, doch die aktuelle Situation ist nichts im Vergleich zu der vor knapp 17 Jahren. Damals regierte am Main das pure Chaos. Strategische Entscheidungen des Vorstands waren für Außenstehende nahezu undurchschaubar und die Eintracht machte sich von mehr oder weniger seriösen Investoren abhängig.

In der Liga machten sich die Hessen seinerzeit keine Freunde. Konkurrenten im Abstiegskampf wie Hansa Rostock, Unterhaching, Ulm oder Freiburg witterten beim Lizenzierungsverfahren Betrug, warfen der Eintracht vor, bewusst betrogen zu haben. Der DFB sah das ähnlich und sprach noch während der Saison eine Strafe gegen die Hessen aus. Sportlich hatte sich die Eintracht dank einer tollen Serie unter Felix Magath gerade erst von den Abstiegsrängen befreit, da warf sie ein Zwei-Punkte-Abzug erneut zurück.

Ein Urteil, das alle Beteiligten gleichermaßen entsetzte. Zu milde fand es die Allianz der „kleinen“ Vereine, die sich gegen die Eintracht gestellt hatte. Ungerecht empfanden es die Frankfurter Spieler, die sich um den Lohn ihrer monatelangen Aufholjagd gebracht sahen. „Das ist, wie wenn ein Kind im Schwimmbad untergetaucht wird, wieder hoch kommt und dann von einem anderen Kind erneut unters Wasser gedrückt wird“, schimpfte Trainer Magath. Das erste Spiel nach dem Urteil wurde beim 1. FC Kaiserslautern mit 0:1 verloren.

Eine Woche später setzte die Eintracht im Heimspiel gegen den Hamburger SV auf eine Trotzreaktion. Der erste Frust über den Rückschlag am Grünen Tisch sollte nun wieder den sportlichen Tugenden weichen. Die Gäste aus dem Norden eigneten sich von der Papierform her jedoch nicht als Aufbaugegner. Der HSV spielte als Überraschungsmannschaft der Liga eine überragende Serie und reiste als Tabellendritter an. In den Reihen der Hanseaten damals: ein gewisser Niko Kovac im zentralen Mittelfeld und Armin Reutershahn als Co-Trainer auf der Bank neben Frank Pagelsdorf. Stürmer Anthony Yeboah fehlte den Hamburgern gesperrt.

Vor 50.000 Zuschauern an einem ungewöhnlichen Donnerstagabend-Termin begann die Eintracht unter Flutlicht furios. Magath hatte seine Elf offensiv aufgestellt, setzte neben Stoßstürmer Thomas Reichenberger auf die schnellen Flügelspieler Chen Yang und Marco Gebhardt. Dahinter sollten Rolf-Christel Guie-Mien und Horst Heldt für die Ideen sorgen. Der Plan ging auf: Schon in der sechsten Minute traf Guie-Mien nach einer Maßflanke von Yang zum 1:0. Nur zwei Minuten später legte Reichenberger nach, doch Schiedsrichter Fandel gab den Treffer wegen vermeintlichen Foulspiels nicht.

Nach der starken Frankfurter Anfangsoffensive ebbte das Niveau der Partie ab. Der HSV – etwas ersatzgeschwächt angereist – agierte zu fehlerhaft, die Eintracht passte sich an. Das Spiel verflachte. Erst nach einer Stunde erhöhte Frankfurt wieder die Schlagzahl und wurde dabei von einem überragenden Guie-Mien angetrieben. Nach feinem Doppelpass bereitete er das 2:0 von Yang vor (71.). Den 3:0-Schlusspunkt setzte der zierliche Mittelfeldmann mit einer tollen Direktabnahme selbst (76.). „Er kann ein Spiel allein entscheiden, ist ein Klasse-Fußballer“, lobte Routinier Heldt den Matchwinner. „Der Trainer hat gesagt, ich soll wieder Spaß am Fußball haben. Aber vielleicht lag es nur daran, dass das Wetter wieder schön ist“, kommentierte der damals 22-jährige Guie-Mien.

Grund zur Freude gab nach dem 3:0-Triumph gegen die Hamburger der Blick auf die Tabelle. Trotz des Punktabzugs hatten die Hessen die Abstiegszone wieder verlassen. Mit 33 Zählern rangierten die Adlerträger vorerst auf dem 15. Rang. Das Chaos am Main sollte aber noch lange nicht beendet sein.

Tore: 1:0 Rolf-Christel Guie-Mien (6.), 2:0 Chen Yang (71.), 3:0 Guie-Mien (76.).

Eintracht Frankfurt: Heinen – Houbtchev, Kutschera, Kracht, Rasiejewski, Schur (81. Bindewald), Guie-Mien, Heldt, Yang, Gebhardt (81. Falk), Reichenberger (64. Salou). Trainer: Magath.

Hamburger SV: Butt – Panadic, Hertzsch, Kovac, Gravesen, Fischer, Babatz, Mahdavikia, Uysal, Präger, Yilmaz (54. Hashemian). Trainer: Pagelsdorf.

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